Marlene Streeruwitz

Kreuzungen

Roman
Cover: Kreuzungen
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783100744340
Gebunden, 251 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Die vielen Millionen auf der Bank in Luxemburg reichen nicht. Der Held dieses abgründigen, in rasanten Bildern erzählten Romans macht sich auf, zu den Allerreichsten der Welt zu gehören. Dazu beendet er das bisherige Leben, aus dem sein Reichtum hervorgegangen ist. Er verlässt Wien und seine Frau, die Kinder und sogar seine Therapeutin. Eine Schönheitsoperation eröffnet sein neues Leben. So verändert begibt er sich zur Erholung nach Venedig und trifft auf den Lyriker Gianni, der ihm mit seiner Kunst die endgültige Verfügbarkeit der Welt offenbart. Er benötigt nur noch die private Basis, sich uneingeschränkt dem Begehren nach Geld und Macht hinzugeben. Eine neue Frau wird gesucht. In der noblen Heiratsvermittlung der Frau Zapolska in Zürich findet sich eine passende Kandidatin und schon beginnen die Anwälte, die Verträge zu entwerfen. Die Form der Zeugung wird zum juristischen Problem. Sollen die Kinder künstlich oder natürlich entstehen? Francesca besteht auf künstlicher Befruchtung. Aber dann stellt sich überhaupt die Frage, was Francesca für eine Rolle spielt und ob sie nicht eine Agentin aus seiner Vergangenheit ist. Plant sie ein Komplott gegen ihn? Greift sie nach seinem Reichtum? Geht es um sein Leben?

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.10.2008

Sympathische Figuren, gar solche, in die er sich gern eingefühlt hätte, hat Jörg Sundermeier in Marlene Streeruwitz' neuestem Roman "Kreuzungen" nicht gefunden. Sichtlich ist er mit dessen Haupt- und Erzählerfigur nicht warm geworden, dem Milliardär Max, der sich als großer Zampano der ganzen Welt und aller Frauen insbesondere fühlt und mit ansehen muss, wie seine Familie zerbricht und sein Versuch, sich per Heiratsvermittler eine neue zuzulegen, scheitert. Die abgehackte, den Gedankenfluss von Max nachahmende Sprache, in der Streeruwitz die Weltsicht dieses "Geldjockeys" schildert, findet Sundermeier "verstörend" exakt, wenn auch hier und da ein wenig "manieristisch". Dass Streeruwitz nicht nur Max, sondern auch die anderen Figuren nicht sympathisch wirken lasse, sei kein Mangel des Romans, sondern eine bewusste Verweigerung seitens der Autorin, die "keinen Weg zum Heil" anbiete, versichert Sundermeier. Großes literarisches "Können und Gestaltungswillen" sieht er in diesem schnell zu lesenden Roman am Werk und fühlt sich vom Thema an Arthur Schnitzler erinnert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.10.2008

Für nichts weniger als einen "Geniestreich" hält Ina Hartwig das Buch über einen egomanischen und narzisstischen Angehörigen der internationalen Finanzwelt, der im Verlauf der Handlung immer tiefer in einen Strudel aus "Macht und Regression, Einsamkeit und Rausch" gerät. Nicht nur, dass die sonst für ihren feministischen Ansatz bekannte Autorin diesmal einen männlichen Protagonisten auf dem ureigenen männlichen Feld der Ökonomie und Geldvermehrung ins Visier genommen und damit, gewissermaßen tagesaktuell, eine thematische Lücke in der zeitgenössischen deutschen Literatur geschlossen hat, begeistert die Rezensentin, sondern auch der sprachliche Furor und das psychologische Einfühlungsvermögen. Streeruwitz geht über die Beschreibung von Oberflächen, Anomalien und Fetischismen hinaus und verwebt sie, beflügelt von einem "Restwiderstand", zu einem Netz sich spiegelnder Motive; in der Summe handelt es sich um einen "aufregenden, ganz und gar außergewöhnlichen Roman", so die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.10.2008

Enttäuscht hat Rezensentin Meike Fessmann den neuen Roman von Marlene Streeruwitz beiseite gelegt. Was sonst für sie funktionierte, eine gewisse Einheit von Inhalt und Form, klafft für sie diesmal weit auseinander. Viel Klischee, wenig Substanz, könnte man ihre Einwände gegen das Buch zusammenfassen. Dabei findet die Rezensentin dessen Ausgangspunkt durchaus interessant: nämlich die Frage, wieso mächtige Männer so sind, wie sie sind. Der Fall, an dem Streeruwitz diese Fragestellung abhandelt, ist aus Sicht der Rezensentin allerdings kaum geeignet, hier für Aufklärung oder nur Erhellung zu sorgen. Zu läppisch der Mann, um glaubhaft zu machen, dass Typen wie er so reich und mächtig werden können. Zu unwahrscheinlich die Geschichte selbst. Die skrupellose Art, mit der Streeruwitz ihren Protagonisten sich Welt und Frauen gefügig macht, ist für die Rezensentin außerdem eher slapstickhaft als wirklich furchterregend. Auch die ?eigentümlichen Mischung von intimer Innenschau und Allwissenheit? die für die Rezensentin den Erzählstil dieser Autorin kennzeichnet, findet sie eher uninspirierend. Unter anderem, weil das Räderwerk des Textes von einem ?etwas müde gewordenen Freudianismus, gepaart mit ein wenig Lacan? in Gang gehalten wird.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.09.2008

Sehr beeindruckt ist Christian Schärf von diesem Roman, obgleich er den ihm zugrunde liegenden Thesen nach eigenem Bekunden keineswegs vorbehaltlos zustimmt. Die Fundamentalthese ist seiner Auskunft nach, dass der Phallus regiert und dass dies Regieren des Phallus die Welt in Abgrund und Unglück treibt. Der Phallus in diesem Roman ist ein Milliardär namens Max und es steht ihm der Sinn, wie den Streeruwitz'schen Männern schlechthin, oder den Männern laut Streeruwitz überhaupt, nach "Selbstverherrlichung" in "Größenfantasien". Das beginnt im Lauf des Romans auch etwas mit der "Freiheit des Künstlers" zu tun zu haben, irgendwann kommt zudem ein "Kotkünstler" namens Gianni ins Spiel. Wie das alles zusammenhängt, ist der Rezension nicht immer in aller Klarheit zu entnehmen. Was die Qualität des Romans angeht, wird Schärf aber deutlich: Ein "von Seite zu Seite unwiderstehlicher werdender Sound" hat ihn immer tiefer hineingezogen ins Buch, dessen "subtilen Humor" und dessen "artistische Leidenschaft" er sehr wohl bewundert.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.07.2008

Andreas Breitenstein hat Marlene Streeruwitz' neuer Roman gefallen. Er sieht in ihm ein "beklemmendes Porträt des Managers als Machtmensch und Melancholiker, Asozialer und Aussteiger". Er attestiert der Autorin, es sich mit ihrer Kritik an den Teppichetagen der Geschäftswelt nicht leichtgemacht zu haben und sich souverän zugleich auf der Ebene der Sprach- wie der Ideologiekritik zu bewegen. Besonders überzeugt hat Breitenstein der erste Teil des Romans, der eine Zustandsbeschreibung des höchst erfolgreichen, narzisstisch gestörten Managers Max bietet, die sich durch "polemische Härte" und "atemlose Dichte" auszeichnet. Demgegenüber flacht der zweite, mehr handlungsorientierte Teil des Romans zu seinem Bedauern etwas ab. Sein Fazit: eine "düstere Vision" der "unberührbaren Kaste".
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