Marion Detjen

Ein Loch in der Mauer

Die Geschichte der Fluchthilfe im geteilten Deutschland 1961-1989
Cover: Ein Loch in der Mauer
Siedler Verlag, Berlin 2005
ISBN 9783886808342
Gebunden, 476 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Menschenhandel oder Widerstand? Bereits kurz nach dem Mauerbau plante der Schriftsteller Uwe Johnson, die Arbeit von Fluchthelfern zu dokumentieren. Nun legt Marion Detjen, die Johnsons Material erstmals auswerten konnte, die erste Gesamtgeschichte der Fluchthilfe vor. Die Darstellung lebt von dem abenteuerlichen Stoff konspirativer Treffen, geheimer Aktionen und gefährlicher Fluchten. Gleichzeitig wirft die zeithistorische Analyse ein neues Licht auf die Geschichte der beiden deutschen Staaten. Die Figur des Fluchthelfers weckt Vorstellungen von Widerstand und Freiheitskampf: Der Fluchthelfer untergräbt buchstäblich die Übermacht einer menschenverachtenden Diktatur, er führt willkürlich auseinander gerissene Familien und Paare wieder zusammen und rettet die vom Regime Verfolgten in die Freiheit. Marion Detjen gelingt eine Untersuchung, die zeigt, wie sehr sich die Fluchthilfe und ihre Wahrnehmung in Ost und West mit den Beziehungen der beiden deutschen Staaten veränderte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.02.2006

Hochspannend findet Karin Hartewig dieses Buch über die Geschichte der Fluchthilfe im geteilten Deutschland. Und informativ dazu. Wie die Autorin dem Leser den "politischen Eiertanz" des Westens und die "Verfolgungswut" des Ostens im Umgang mit der Fluchthilfe auseinandersetzt, wie sie mittels Interviews und Aktenstudium in die Details führt, Entstehung, Gruppen, Netzwerke, Erfolge und Misserfolge beschreibt - das hat Hartewig den "düsteren Mythos der Fluchthilfe" veranschaulicht. Staunend erfährt die Rezensentin vom Wechsel der Sympathien, von der Tolerierung und Unterstützung der Fluchthelfer durch westliche Politiker und Industrielle in den 60er Jahren bis hin zu ihrer Kriminalisierung in den 70ern. Durch die an letzteren Punkt anschließende "Mikro-Chronologie der Justiz in Ost und West" entdeckt die Rezensentin die organisierte Fluchthilfe "als Barometer für die gefühlte Einheit und für die reale Teilung Deutschlands".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.12.2005

Rezensent Christoph Kesselmann findet es großartig, dass Marion Detjen in ihrem Buch über die Fluchthilfe im geteilten Deutschland über die "spektakulären Aspekte" hinausgeht. Sie habe eine "sorgfältig recherchierte" Abhandlung über Tunnelbauer zur Zeit des Kalten Krieges geschrieben, die "spannende Geschichten" erzählt, sich jedoch nicht nur darauf beschränkt. Vielmehr hat Detjen Details "minutiös" rekonstruiert und ihr Werk auf eine "solide Quellenbasis" gestellt. Dieses "Glanzstück wissenschaftlicher Reflexion" überzeugt den Kritiker nicht nur durch die Auswertung bislang unbekannten Materials - wie etwa die Interviews, die Uwe Johnson mit Fluchthelfern geführt hat - sondern auch durch das "intellektuelle und stilistische Niveau" der Autorin. Ihr sei es gelungen, eine Gesamtdarstellung dieser Epoche zu verfassen, die einerseits den Konflikt zwischen Idealismus und Ernüchterung der Fluchthelfer beschreibt und andererseits die Komplexität des "deutsch-deutsch-alliierten Koordinatensystems" zu entwirren vermag.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.09.2005

"Jenseits der üblichen Heroisierung oder Dämonisierung" berichtet Marion Detjen von der Geschichte der Fluchthilfe nach dem Mauerbau von 1961, freut sich Rudolf Walther. Nicht nur idealistische Studenten, wie in dem Fall der Bernauer Straße in Berlin 1964, in dem 57 Personen aus der DDR flohen, auch professionelle Fluchthelfer versuchten, Wege über die Grenze zu finden. Der Rezensent lobt kurz und knapp die "facettenreiche" Schilderung der verschiedensten Versuche ohne dabei die politischen Aspekte wie Propaganda in West und Ost auszulassen.

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