In insgesamt sechs Bänden werden in der Kritischen Ausgabe zum ersten Mal sämtliche überlieferten Briefe Else Lasker-Schülers vollständig und mit Anmerkungen versehen veröffentlicht. Sie dokumentieren den Lebensweg der jüdischen Dichterin vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis in ihre Zürcher und Jerusalemer Exiljahre und geben neuen Einblick in ihr Leben und Werk. Der vorliegende zweite Band enthält über 600 Briefe aus den Jahren 1914 bis 1924, die hier zum großen Teil erstmals publiziert werden. Zu den Adressaten gehören unter anderem Martin Buber, Karl Kraus und Franz Werfel. Die Jahre des Ersten Weltkriegs und die ersten Nachkriegsjahre sind für Else Lasker-Schüler eine Zeit widersprüchlicher Erfahrungen: Ihr zeichnerisches Werk findet mit Ausstellungen in Berlin, Hagen und München seine erste Anerkennung, 1923 erscheint der Gedicht- und Bilderzyklus Theben, in dem sich ihr künstlerisches und ihr poetisches Werk verbinden. Als Dichterin hat sie sich bereits einen Namen gemacht, 1919/20 erscheint eine zehnbändige Werkausgabe bei Paul Cassirer.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.2005
Gute Nachrichten für Freunde der Dichtung Else Lasker Schülers: die Kritische Ausgabe der Werke der Dichterin schreitet voran. Auch die "Briefe 1893-1913" und die "Briefe 1914-1924" helfen mit, "eine verlässlichere Rezeptionsgrundlage" zu schaffen, als die von Werner Kraft herausgegebene, gekürzte dreibändige Ausgabe von 1962 es vermochte. Nicht nur, dass die Briefe das "dichterische Verfahren" der Lasker-Schüler offenbaren, wie Beate Tröger feststellt, den unablässigen Grenzverkehr zwischen Fakten und Fiktionen; sie lassen sich zugleich lesen als ein "Who Is Who" der damaligen Geistesgrößen, von Karl Kraus und Georg Trakl bis hin zu Martin Buber. Doch hat die Rezensentin auch schlechte Nachrichten. Die "für das Werk so wichtigen textbegleitenden oder -ergänzenden Zeichnungen und Schriftverzierungen" geraten ins Abseits, da die Herausgeber konsequent auf Faksimilierungen verzichten. Das bedroht in Trögers Augen das "Bildhafte und Phantastische des Werks". Auch das Fehlen der Antwortbriefe wird als deutlich spürbarer Mangel notiert.
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