Marcel Beyer

Putins Briefkasten

Acht Recherchen
Cover: Putins Briefkasten
Suhrkamp Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783518463246
Kartoniert, 224 Seiten, 8,99 EUR

Klappentext

Eines Morgens, in einer ihm "selber nicht ganz klaren Anwandlung", fährt Marcel Beyer an den Stadtrand von Dresden, um dort einen Briefkasten noch einmal zu sehen, nicht irgendeinen, sondern den Wladimir Putins, der in den achtziger Jahren hier lebte. Er findet ihn nicht mehr vor. Aber was Beyer auf seiner Spurensuche wahrnimmt und aufschreibt, entwickelt sich unterderhand zu einem Kurzporträt Putins, das erhellender ist als jede dickleibige politische Biografie. Was immer Beyer hier in seinen Erzählungen und Skizzen in den Blick nimmt - seien es Blumen oberhalb des Genfer Sees, eine von Rimbaud aufgegebene Kleinanzeige, ein einäugiger Löwe im Dresdner Zoo, von Dostojewskij zum Brüllen gebracht, ein kleinformatiges Gemälde von Gerhard Richter oder Lessings Ofenschirm in Wolfenbüttel -, stets entzünden sich an konkreten Phänomenen seine Überlegungen zu Sprache, Kultur und politischer Geografie.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.06.2012

Inspiriert und beeindruckt sieht sich Roman Bucheli von Marcel Beyers jüngstem Werk, das Recherchen in literarischen, landschaftlichen oder mitmenschlichen Gefilden versammelt. Das letzte Wort des Bandes - "Ich" - macht dem Rezensenten deutlich, dass er es bei Beyers Spurensuchen recht eigentlich mit einer Vorschule der Selbsterkundung zu tun hat, und er ist dem Autor sehr bereitwillig auf seine Wanderungen auf den Spuren Celans, seiner Lektüre eines Bienenkalenders für Imker oder seiner Revision eigener frühen Gedichte gefolgt. Gerade beim Imkerhandbuch lässt sich Bucheli sehr eindrücklich vor Augen führen, dass Poesie auch im "Profanen" steckt, und so hat er dieses Buch mit seiner Beobachtungsfülle und seinen passionierten Betrachtungen sehr genossen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.05.2012

Die unter dem Titel "Putins Briefkasten" versammelten "Recherchen" Marcel Beyers haben es Rezensent Lothar Müller sichtlich angetan. Die Reisebeschreibungen und Lektüreerlebnisse, ornithologische Recherchen und lyrische Selbsterkundungen, Wahrnehmungen und merkwürdige Geschichten zeichnen sich für ihn durch erstaunliche Querverbindungen aus. Wie er berichtet, sind diese Texte aus anderen Arbeiten des Autors - Zeitungsartikel, Beiträge für eine Anthologie über Osteuropa usw. - hervorgegangen. Müller will ihnen aber keineswegs den Status von Gelegenheitsarbeiten zuschreiben. Für ihn ist "Putins Briefkasten" vielmehr ein "Hauptwerk" Beyers.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.03.2012

Beeindruckt zeigt sich Rezensent Tobias Lehmkuhl von Marcel Beyers neuem Buch "Putins Briefkasten", in dem der Schriftsteller acht Beiträge, die er in den letzten zehn Jahren in diversen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlichte, versammelt. Der Kritiker liest hier detailliert beschriebene Berichte über Reisen nach Polen, Weißrussland oder in die Ukraine, aber auch von Beyers Leseerfahrungen, die sich von einem Imkerhandbuch über die Gedichte Paul Celans bis zu Marcel Proust erstrecken. Das Besondere an diesen "Selbstlebensbeschreibungen" aber ist Beyers Arrangement der "Acht Recherchen", so der Rezensent: der Autor habe die bestehenden Formen der Texte aufgelöst und miteinander in Zusammenhang gesetzt, so dass jeder Essay mit dem anderen kommuniziere. Und so gerät Lehmkuhl in diesem ebenso wohl überlegten wie "spielerisch" wirkenden Buch in einen unendlichen Assoziationsstrom von Worten, der ihm ganz neue Verbindungen etwa zwischen der Sprache der Bienen, Wladimir Putins Dresdner Briefkasten und Hans Blumenbergs Löwen eröffnet.
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