Manuel Fernandez Alvarez

Johanna die Wahnsinnige 1479 - 1555

Königin und Gefangene
Cover: Johanna die Wahnsinnige 1479 - 1555
C. H. Beck Verlag, München 2005
ISBN 9783406529139
Gebunden, 228 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Matthias Strobel. Johanna die Wahnsinnige ist eine der bewegendsten Figuren der spanischen Geschichte. Mutter von sechs Kindern, die sie wenig sehen konnte, Witwe mit sechsundzwanzig, abgeschnitten von der Macht, eingeschlossen, eingesperrt in Tordesillas - erst von ihrem eigenen Vater, später von ihrem Sohn Karl V. - stirbt sie schließlich am 12. April 1555 nach einer endlosen Gefangenschaft. Johanna die Wahnsinnige hätte eine der mächtigsten Herrscherinnen ihrer Zeit sein können. Im zur Weltmacht aufstrebenden Spanien wäre sie nach 1516 die unumschränkte Monarchin gewesen - es wäre ihr Reich gewesen, in dem die Sonne nicht unterging. Aber im Spiel um die Macht war sie die große Verliererin. Schon im Kampf um die Herrschaft in Kastilien wurde sie von Vater und Ehemann ausgebootet - aber sie war kein bloßes Opfer, es lag auch an ihr. Johanna füllte das Vakuum der Macht nicht aus, als der Ehemann vom Fieber dahingerafft und der Vater in Neapel abwesend war. Anders als ihrer Mutter Isabella war ihr jener Pragmatismus der Macht fremd, der nötig ist, ein Land zu regieren. Vakante Bischofssitze mussten beispielsweise besetzt werden, aber sie verweigerte ihre Unterschrift mit dem Argument, viel schlimmer als das Fehlen eines Bischofs sei es, "Hirten auszuwählen, die zum Hüten ihrer Herde nicht taugen".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.06.2006

Ein starkes Buch über eine starke Frau hat Rezensent Christian Jostmann gelesen und empfiehlt es auch dem deutschen Leser, den die spanische Nationalgeschichte vielleicht nicht sonderlich interessiert. Denn zunächst einmal gehe es dem großen Mann der spanischen Geschichtsschreibung um das menschliche Los der Johanna, dann um die soziale Stellung der Frau in der höfischen Gesellschaft oder der Macht von Religion und Magie in der damaligen Zeit. Insbesondere stelle der Autor die Frage, welche Art von psychischer Erkrankung man sich tatsächlich jenseits aller Legenden um Johanna die Wahnsinnige vorzustellen habe. Manuel Fernandez Alvarez, fasst der Rezensent sein Lob zusammen, hat eine anschauliche und einfühlsame Biografie geschrieben, die nur gelegentlich durch ihre Neigung zu einem "altväterlichen" Ton getrübt wird.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.04.2005

Nicht völlig überzeugt zeigt sich Rezensent Michael Borgolte von Manuel Fernandez Alvarez' Biografie über Johanna die Wahnsinnige (1479-1555), die, obwohl sie Königin von Kastilien und Spanien war, aufgrund einer Geisteskrankheit niemals regierte. Zwar bescheinigt er dem Autor "glänzende Kenntnisse der Überlieferung". Auch findet er seine Schilderung von Johannas Leben ziemlich packend. Aber Alvarez' Ansatz, den Fall Johanna nicht individualpsychologisch, sondern kollektivgeschichtlich anzugehen, ist seines Erachtens "gescheitert". So leite Alvarez seine Biografie ausführlich mit einer "instruktiven Abhandlung" über die "magische Mentalität des fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts" ein und frage danach, ob die "Menschen damals glaubten, dass Johanna von Kastilien verhext war". Zum Bedauern des Rezensenten spielt diese Perspektive einer gesellschaftlichen Rollenzuweisung im weiteren keine Rolle mehr. Dass sich Alvarez stattdessen vom Mitleid für die einsame Königin überwältigen lässt, stimmt Borgolte skeptisch: "Ob hier nicht der moderne Wert individueller Freiheit zu unbedenklich zum Maßstab historischen Urteilens genommen wird?"
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.04.2005

Die nun ins Deutsche übersetzte Biografie über Johanna die Wahnsinnige ist in Spanien bereits ein Bestseller - zu Recht, wie der Rezensent Kersten Knipp meint. Dies sei zum einen dem tragischen und anrührenden Schicksal dieser Königin von Kastilien , die über vierzig Jahre gefangen gehalten wurde, geschuldet, zum anderen gehe der Erfolg des Buches unzweifelhaft auf die "subtile Darstellungskunst" des berühmten spanischen Historikers und gestandenen Biografen Manuel Fernandez Alvarez zurück. Anerkennend äußert sich Knipp über die Ambitionen des Autors, "die Hintergründe jenes 'Wahnsinns' zu durchleuchten, dem die im Grunde ihres Herzens so staatsferne Herrscherin ihren wenig schmeichelhaften Beinamen verdankt". Ein besonders Lob erhalten die zahlreich eingestreuten und dennoch knappen Wortmeldungen von Zeitgenossen Johannas, die, so Kipp, ein lebendiges Poträt ("leicht und luftig") der depressiven Königin und ihrer Zeit erzeugen.
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