Miguel Delibes

Der Ketzer

Roman
Cover: Der Ketzer
Ammann Verlag, Zürich 2000
ISBN 9783250600305
Gebunden, 560 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Lisa Grüneisen. Am 31. Oktober 1517 heftet Martin Luther seine 95 Thesen an die Kirche zu Wittenberg, ein Ereignis, welches die römisch-katholische Kirche in zwei Lager spalten wird. Am selben Tag wird in der spanischen Stadt Valladolid der Sohn von Don Bernardo Salcedo und Doña Catalina Bustamente geboren. Er wird auf den Namen Cipriano getauft. Das Zusammentreffen dieser beiden Ereignisse bestimmt in verhängnisvoller Weise das Schicksal des Kindes. Halbwaise von Geburt an und ohne die Liebe seines Vaters aufgewachsen, kann Cipriano nur auf die Zuneigung seiner Amme zählen. Er wird zum wohlhabenden Kaufmann und schließt sich der reformatorischen Bewegung an, die heimlich auch auf die iberische Halbinsel, das traditionelle Bollwerk der katholischen Kirche, vordringt. Doch die Inquisition setzt alles daran, die Anhänger des neuen Glaubens den Flammen ihrer Scheiterhaufen zu übergeben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2000

Mit einem kurzen Überblick zu dem bisher auf Deutsch erschienenen Werk des achtzigjährigen spanischen Schriftstellers beginnt Elvira Bauer ihre Besprechung seines neuesten Buches. In den Archiven seiner Heimatstadt Valladolid fand Delibes Material, mit dem er den Hintergrund dieses "Sittengemäldes der spanischen Hauptstadt des 16.Jahrhunderts" ausgefüllt hat. Sein Protagonist ist ein von seinem Vater, einem wohlhabenden Kaufmann, verstoßener schmächtiger Junge, der seinerseits erfolgreich in den Wollhandel mit Flandern einsteigt, und darüber lutherisches Gedankengut kennenlernt. Er wird zum "Ketzer" und seine Hinwendung zum Protestantismus steht gleichzeitig, so Elvira Bauer, für die "Emanzipation des Individuums von der mittelalterlichen Gesellschaft". Sehr beeindruckt haben die Rezensentin die "beklemmende Genauigkeit" der Darstellung von Schmerz und Tod im zweiten Teil des Buches; daneben gestellt hat Delibes aber auch banale und derb-komische Elemente, die an einen Schelmenroman erinnern. Elvira Bauer betont, dass dieser Roman als "Plädoyer für die Opfer der Geschichte" zu verstehen ist und bewundert den bewussten Gebrauch des "klaren, reinen Spanisch der Bauern Kastiliens", das insgesamt das Werk von Delibes auszeichnet; und in diesem Zusammenhang lobt sie auch ausdrücklich die Übersetzerin Lisa Grüneisen für ihre "sorgfältige, solide Arbeit".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.09.2000

Hans-Jörg Neuschäfer ist begeistert von diesem Buch, und er nutzt sein Erscheinen in deutscher Übersetzung zu einer Hommage an den Autor. Auf fast einer ganzen Seite gerät er über den Roman ins Schwärmen: Er sei ein "erstaunlicher Text", der es meisterhaft verstehe, historische Realität auch für das breite Lesepublikum "lebendig" zu machen, preist der Rezensent. In der fiktiven Biografie verbinde sich "amüsant und ironisch" die Geschichte mit der Lebensgeschichte des Protagonisten und ermögliche einen neuen Blickwinkel auf die bekannten Geschehnisse in Spanien zur Zeit der Reformation. Der Roman sei ein "außergewöhnliches Leseerlebnis", resümiert der Rezensent, denn noch nie sei die historische Auseinandersetzung mit der Reformation in Spanien so "spannend und zusammenhängend und für jedermann verständlich" vermittelt worden.

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