Alfred Kohler

Columbus und seine Zeit

Cover: Columbus und seine Zeit
C. H. Beck Verlag, München 2006
ISBN 9783406542121
Gebunden, 221 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Mit 20 Abbildungen. Als der italienische Seefahrer Christoph Columbus (eigentlich "Christoforo Colombo", 1451-1506) nach Westen segelte, wollte er bekanntlich nicht Amerika entdecken, sondern Ostindien auf einem kürzeren Seeweg erreichen. Den Auftrag dazu hatte die Königin Isabella von Kastilien erteilt, um Gewürze, Edelsteine und Seidenstoffe zu besorgen. Stattdessen landete er zunächst auf den Bahamas, ehe er nach Kuba und Haiti weiterfuhr. Er sollte noch dreimal die beschwerliche Reise nach Amerika antreten, ehe er von seiner letzten Reise krank zurückkehrte. Christoph Columbus starb zurückgezogen und vergessen; bis zum Schluss hielt er an dem Glauben fest, Indien erreicht zu haben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.05.2006

Caspar Hirschi scheint zu staunen, wieviel inspirierender Stoff in so ein schmales Büchlein passt. Ein guter Grund für ihn, es als Einstiegsinvestition zum Thema zu empfehlen. Dem Autor Alfred Kohler attestiert er Weitsicht, beschränkt dieser sich doch nicht auf eine enge Figurenschau, sondern nimmt das ganze Panorama einer wahrhaft globalen Epoche in den Blick. Die herausfordernde, sprunghafte Art der Gedankenführung nimmt Hirschi gerne hin, kann er sich doch zugleich auf die Quellentreue des Textes und seine Sachlichkeit verlassen. Und wenn Columbus in diesem Buch schließlich doch höchstselbst im Fokus steht, dann in seiner "faszinierenden Widersprüchlichkeit".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.05.2006

Zu Christoph Columbus' 500. Todestag sind drei Bücher über den Entdecker erschienen, die Caroline Schnyder in einer Sammelbesprechung rezensiert. An Alfred Kohlers Buch über "Columbus und seine Zeit" findet die Rezensentin vor allem die Darstellung der Art und Weise, wie Columbus mit dem empirischen und theoretischen Wissen der damaligen Zeit umging und es sich zu Nutze zu machen wusste, sehr erhellend. Der Autor nehme in seinem Buch zudem große geografische Räume in den Blick, er stelle mitunter "fast collagenartig" die globale Seefahrt von China bis Afrika dar und untersuche auch die weiträumigen ökonomischen Beziehungen der Kontinente untereinander, so Schnyder zufrieden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.05.2006

"Ambitioniert" findet Rezensent Jürgen Zimmerer die Arbeit "Columbus und seine Zeit", die Alfred Kohler zum 500. Todestag des Entdeckers Amerikas vorgelegt hat. Zimmerer sieht in Kolumbus eine von Mythen überlagerte historische Figur, über die zahllose Bilder im Umlauf sind, die überhöht, vereinnahmt, verdammt, aber selten angemessen gewürdigt wurde. Letzteres leistet seines Erachtens vorliegende Arbeit, der er eine "moderne Beschäftigung" mit dem Thema attestiert. Er hebt hervor, dass Kohler über eine Lebensbeschreibung Kolumbus' hinaus die "Biografie einer Epoche" liefert. Einer Epoche, die Zimmerer von einer grundlegender Neuausrichtung europäischer Geopolitik geprägt sieht, und die sich in Kolumbus spiegelte.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.05.2006

Reichlich nüchtern fällt Mirjam Zimmers Besprechung von Alfred Kohlers Kolumbuswürdigung aus. Zimmer erklärt den Ansatz des Bandes, das Genuine an der Leistung des Seefahrers und Entdeckers zu würdigen, ohne auf die lang erfolgte Demontage des Heldenmythos abzuheben. Der Fokus des Autors liege auf dem europäischen Überlegenheitsanspruch und der Infragestellung eurozentristischer Geschichtsbilder mittels Eröffnung weiträumigerer, wesentlich älterer Zusammenhänge. So räume Kohler etwa den Beziehungen Europas zu Asien ein umfangreiches Kapitel ein. Ein bisschen wie eine Warnung klingt Zimmers abschließender Hinweis, dass es sich bei dem Buch um "keine Biografie" handelt. Die Persönlichkeit des hier vor allem für seine Leistungen auf dem Gebiet der Nautik gewürdigten Kolumbus zeichne sich "nur schemenhaft" ab.