Mit 50 Abbildungen. Die Pest ist bis heute gleichbedeutend mit Tod, Verderben und Chaos. Manfred Vasold kann jedoch zeigen, dass viele Gegenden Mitteleuropas erst Jahrzehnte nach 1348/49 oder überhaupt nicht von der Pest berührt wurden und dass die Verlustzahlen insgesamt weit geringer waren als bisher angenommen. Der Autor weist nach, dass die weit verbreitete Fehleinschätzung des Phänomens Pest das Ergebnis einer langen historischen Entwicklung ist: So ließen die Geschichtsschreiber zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges die eigenen grauenvollen Seuchenerfahrungen in ihre Berichte einfließen, griffen zudem nur auf wenige, nicht repräsentative Quellen zurück und verzerrten dadurch ihre Interpretation vergangener Ereignisse.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 11.12.2003
Dass die Pest über die Jahrtausende der große Dezimator der Menschheit gewesen ist, vor allem im Mittelalter in großen Wellen bis zu einem Drittel ganzer Populationen ausgelöscht hat, das gilt als ausgemacht. Und ist doch, so jedenfalls der Medizinhistoriker Manfred Vasold, "nichts als ein Mythos". Viel nämlich spricht dagegen, der recht mühselige Ansteckungsweg über Flöhe und Ratten in erster Linie. Das Buch ist unterteilt in die Darstellung der jüngeren Geschichte der Pest, von der Entdeckung des Bazillus bis zum gelegentlichen Auftauchen der Krankheit in der Gegenwart. Darauf folgt der Rückblick aufs Mittelalter, der, wie gesagt, recht skeptisch ausfällt. Vasold hat keine definitiven Antworten, stellt aber zum Beispiel die Frage, ob die große Pestwelle des 14. Jahrhunderts nicht vielleicht durch eine Milzbrand-Epidemie überlagert wurde. Gerade diese Zurückhaltung jedoch gefällt dem Rezensenten Norbert H. Ott besonders gut. Warum man Geschichte immer auch als "historische Naturwissenschaft" betreiben sollte: das mache dieses Buch mit Nachdruck deutlich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2003
Manfred Vasold will Aufklärung leisten wider die Mythen, die sich um die Pest ranken, doch Heinz Thomas mag ihm nicht folgen und legt dar, was der Autor alles unterschlage und wo er schludrig argumentiere: Der "Wettlauf von Bakteriologen" um die Entdeckung des Erregers werde nur ungenau geschildert, "bedenkenlos" würden einerseits Forschungsergebnisse übernommen und anderswo unsinnige Hypothesen gegen die Lehrbuchmeinung vertreten, die Pogrome gegen die Juden während der Epidemie Mitte des 14. Jahrhunderts kommen nur am Rande vor. Der Rezensent empfiehlt dem Autor zur Besserung und den Lesern zur Information Klaus Bergdolts Buch zum selben Thema empfiehlt.
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