Manfred Peter Heins Gedichte ziehen Bilanz, sie sind Selbstvergewisserungen über den Platz des Autors in der Welt, Expeditionen "ins Nachtlabyrinth". Ruhe spricht aus ihnen, jedoch alles andere als Beschaulichkeit. Hein ist ein Autor der Anteilnahme, am Schicksal des Nächsten, aber auch an den politischen Zeitläuften. Sein Blick kommt von weither, aus der geografischen Distanz seiner Wahlheimat Finnland, und er reicht "in die Tiefe des Raums", "wo die Geister sich scheiden" und die Gegenwart nur ein Moment einer großen Geschichte ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.07.2015
Wulf Segebrecht kennt Manfred Peter Hein als bedeutenden Lyriker der Nachkriegszeit und Vermittler osteuropäischer Literaturen. An Heins neuem Gedichtband mit Texten aus den Jahren 2010 bis 2014 fällt ihm zunächst die strenge chronologische Ordnung auf, die Reiseimpressionen und Berichten etwas Tagebuchartiges verleiht, wie Segebrecht schreibt. Weniger bedeutsam scheint sie ihm bei den um Alltagsbeobachtungen kreisenden Texten, den Traumprotokollen und Gedankenfetzen im Band. Beim Lesen über den Giersch ("Hinter den Blütenständen / schäkert die Frühjahrsnymphe") stellt Segebrecht fest, dass Hein die Künstlichkeit eines Jan Wagner abgeht und der Autor die Aussage der äußeren Form vorzieht. Dass der Leser bei Hein immer aufgefordert ist, den Texten eigene Lebenswirklichkeit hinzuzuaddieren, um Verschlüsseltes zu eröffnen, gibt uns der Rezensent allerdings auch mit auf den Weg.
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