Die Hauptfigur, ein Student, studiert in Paris an der berühmten Klinik der Salpetriere. Dort trifft er auf Pierre Janet, den Nachfolger Charcots, des `Napoleons der Neurosen`. Zwei Frauen bestimmen das Leben des jungen Studenten: Zoia, Schankmädchen und Malermodell und Meret, die schöne und reiche Zürcherin. Am Schluß steht eine Kriminalepisode: Ein Angehöriger der Nervenklinik wird ermordet. Anhand einiger Muster aus dem Leben von C.G. Jung gibt der Roman ein Bild von der Entstehung der modernen Tiefenpsychologie am Ende des 19. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.06.2000
Der Ton des Rezensenten ist herablassend, wenn nicht gar abfällig, auch wenn Ludger Lütkehaus nach zwei Drittel seiner Besprechung behauptet, er habe den Roman bis auf die eingebaute Kriminalgeschichte gern gelesen. So geht es einem ja manchmal, man findet keine Argumente für etwas, das man widersträubend tut, ohne es lassen zu können. Einige Argumente für und wider diese biografisch-literarische Erkundung des Lebens von C.G. Jung liefert Lütkehaus dennoch: als Minuspunkt vermerkt er, daß Dierks imaginierte Biografie vor den eigentlich brisanten Punkten im Leben Jungs halt macht, also vor seiner Bekanntschaft mit Freud und Spielrein. Dagegen gefallen dem Rezensenten die Frauenfiguren, die er weniger blass als die Hauptfigur vorkommen. Dierks` lakonische Sprache neige gelegentlich zum Kitsch, wovon er die eindrucksvollen Landschaftsportraits ausnimmt. Insgesamt findet Lütkehaus die biografische Spurensuche des Thomas Mann-Experten Dierks legitim. Doch dann zitiert er den schönen Satz von Jung: "Die Psychiatrie ... verwandelte Tiefe in Oberfläche", um dieses legitime Unterfangen gleich wieder in Abrede zu stellen.
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