Mit ca. 50 Schwarzweiß-Abbildungen. Georg Stefan Troller versetzt uns ins Wien seiner Kindheit. Spiel, Spaß und Unterhaltung war die Begleitmusik der Tragödie Österreichs zwischen den beiden Weltkriegen. Während Politik und Wirtschaft aus einer Krise und falschen Illusion in die andere taumelten, feierten Künstler, Kritiker und Kabarettisten ihre großen Erfolge - ein apokalyptischer Tanz am Rande des Abgrunds. "Das fidele Grab an der Donau" ist ein Buch der Wiederbegegnung mit einer - vornehmlich jüdisch geprägten - untergegangenen Welt. Anekdotenreich und geistvoll, aber auch scharf und nicht ohne Polemik erzählt Georg Stefan Troller von Schnitzler und Peter Altenberg, Werfel und Alma Mahler, Polgar, Kuh und Kraus, Kisch, Friedell und Torberg, dem Cafe Central und dem Herrenhof, dem Kabarett Simpl und vielen weiteren legendären Gestalten und Schauplätzen. Ein außergewöhnliches Stück europäischer Kulturgeschichte, selbst erlebt, erträumt und gedeutet.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.11.2004
Der Rezensent mit dem Kürzel "jdl" hat Freude an diesem Buch, das einerseits ein unterhaltsames und "lesenswertes Inventar der irreparablen Wiener Eigenheiten" ist, andererseits über "unterhaltsame Abschweifungen" und das rein Anekdotische hinausgeht, indem es "die kulturelle Blütezeit einer Stadt beschreibt und deren rasanten Niedergang". Nur der Titel ist nach Meinung des Rezensenten etwas irreführend, denn autobiografisch ist das Buch nicht wirklich. Der Autor und Feuilletonist Georg Stefan Troller erzählt höchstens indirekt von sich selbst. Dafür spannt er sonst thematisch einen weiten Bogen - zum Nutzen des Lesers. Nach Meinung des Rezensenten ist der Band "Großfeuilleton, das sich weder durch übertriebene Chronologie beengen will noch durch thematische Konsequenz".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.09.2004
Franziska Sperr hat jede Menge übrig für die Wiener "mit ihrem herzerwärmenden Schmäh, ihrer selbstverliebten Ironie, ihrem hoffnungsfrohen Fatalismus" - alles Eigenschaften, die der Anekdote zugute kommen, jener kleinen Form, der sich Georg Stefan Troller hier verschrieben hat. Das vorliegende Buch, schreibt Sperr, "ist eine Fundgrube für jeden, der am Kokolores - ein jiddisch-wienerischer Ausdruck für nichtssagende Kleinigkeiten - seine Freude hat". Doch im Ganzen ist es alles andere als nichtssagend: Troller habe die kleinen Anekdoten und Szenen nämlich zu einer "sehr persönlichen Kulturgeschichte des jüdischen Wien zwischen den beiden Weltkriegen" gefügt, die als Komödie beginnt und als Tragödie endet: Hitler auf dem Heldenplatz. Doch vorher: all die Kaffeehäuser und Hinterhöfe, die Vorlieben und Vorurteile, die Witze und Gerüchte - das ist, so die Rezensentin, "Zeitgeschichte im Kolportageton" oder auch: "Schnitzlers Reigen live". Fazit: ein lehrreiches Amüsement.
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