Malgorzata Saramonowicz

Spiegel

Roman
Cover: Spiegel
Rotbuch Verlag, Hamburg 2002
ISBN 9783434530930
Gebunden, 263 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Ursula Kiermeier. Spiegel werden Zeugen vom Mord an alten Frauen in Warschau. Mit den Spiegeln von Malgorzata Saramonowicz kann man ungestraft ins Gesicht der Medusa blicken. Beginnend im Warschau der dreißiger Jahre und endend in der Gegenwart erzählt der Roman vom Alter, von der Angst vor und der Sehnsucht nach dem Tod und von den Widerspiegelungen der eigenen Vergangenheit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.10.2002

Kurz und knapp bringt der Rezensent mit dem Kürzel "U. Sm." seine Kritik an dem zweiten Roman der 1964 geborenen Polin Malgorzata Saramonowicz zum Ausdruck. Den findet der Rezensent nämlich eindeutig zu konstruiert. Es scheint, meint "U. Sm.", als ob die Autorin auf gar keinen Fall einen "traditionellen" Text habe schreiben wollen. Die Ich-Erzähler ihres Romans seien durchweg Spiegel. So zum Beispiel in der Geschichte über eine alte Frau, die ihre Pflegekraft umbringe, weil sie in ihr sich selbst sehe - als junge Frau, als sie selbst alte Menschen umgebracht hatte, berichtet der Rezensent. Leider, bedauert "U. Sm." werde diese Geschichte aber nach der Maßgabe "monotoner Regieanweisungen" erzählt, deren Trockenheit zu "gewundenen Kapriolen" und das Spiegel-Prinzip letztlich ad absurdum führe, denn Saramonowiczs Spiegel seien "allzu geschwätzig" und "durchsichtig", so dass die Rechnung der Autorin letztlich nicht aufgehe.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.06.2002

Neues von Edgar Allen Poes Ururururenkelin hat Marta Kijowska anzuzeigen. Trotz ihres schmalen Oeuvres (das Buch ist ihr zweiter Roman) schreibt Saramonowicz nämlich, als stammte sie vom Altmeister des Psychothrillers ab. "Erstaunlich sicher" ist ihre Handschrift, findet die Rezensentin und lobt die Eindringlichkeit, die atmosphärische Dichte und die Logik in der Konstruktion (diejenige eines Krimis) ihrer Bücher. Viel mehr als ein Stück lesenswerter Prosa sei indes dieser neue, eine Frauenpsyche zergliedernde Roman. Die Behandlung des im Mittelpunkt stehenden Themas der Euthanasie, so Kijowska, taugt zwar weniger zu ernsthafter Auseinandersetzung, besticht aber durch Originalität, Spannung und eine gewisse Respektlosigkeit gegenüber diesem heiklen Thema.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.04.2002

Gelangweilt von den bundesdeutschen jungen Autorinnen, rechnet Alexandra Kedves der polnischen Autorin Malgorzata Saramonowicz ihren schwierigen, aktuellen konfliktreichen Stoff erst mal hoch an: Das Thema Sterbehilfe im Krimi. Nach Kedves lässt die Autorin die Geschichte verschiedener alternder Frauen, ihre Gedanken und Gefühle angesichts von "Alter, Krankheit und Tod", von Spiegeln erzählen. Gemeinsam mit den alternden Damen wird das Leben einer jungen Studentin beschrieben, die drei der Todkranken zunächst pflegt und, unter dem Eindruck einer offen geführten Diskussion über Euthanasie, unsanft zu Tode befördert. Gut 50 Jahre später, schließt sich der Ring, so Kedves, die vermeintlich selbst von einem unnatürlichen Tod bedrohte Protagonistin wird wieder aktiv. Die Umsetzung dieser Erzählform findet die Rezensentin etwas schülerinnenhaft, wie aus einem "Creativ-writing-Kursus", wenn in unzähligen kurzen Kapiteln die Gegenüberstellungen von Frau und Spiegel protokolliert werden. Doch leider sieht Kedves sieht die Autorin "vor allem selbst vor dem Spiegel" stehen, "Stoffwahl und Stil" bleiben oberflächlich, meint die Rezensentin enttäuscht.
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