Aufgrund neuer Archivzugänge und langfristiger systematischer (Quellen-)Forschung leistet das dreibändige Standardwerk umfassende Aufklärung über die bislang unaufgearbeitete Epoche der Kunst im Nationalsozialismus in Hamburg. Es ist wissenschaftliche Grundlagenforschung und längst überfällige Wiederentdeckung von heute weitgehend vergessenen Künstlern und ihren Werken. Das umfangreiche Lexikon (Band 2) mit über 200 sorgfältig erarbeiteten Monografien verfemter und verschollener Künstler, die aus rassistischen, politischen oder ästhetischen Gründen verfolgt wurden, ist die unerlässliche Grundlage für den reich bebilderten Band 1, der sich allgemein mit der Geschichte der Kunst in den 12 Jahren des Nationalsozialismus in Hamburg beschäftigt.
Auch wenn Hamburg in der Vergangenheit nicht als "Treibhaus der Kunst" in Erscheinung getreten ist, kann es doch mit bedeutenden Kunst- und Kulturhistorikern und interessanten Sammlern aufwarten, leitet Petra Kipphoff ihre Besprechung zu Maike Bruns "Kunst in der Krise" ein. Die Nationalsozialisten haben auch vor diesen Gruppen nicht halt gemacht. Am Beispiel Hamburg könne man erkennen, dass die Vernichtungsmaschinerie der Nazis nicht nur bekannte Künstler erfasste. Wie erfolgreich sie war, ist dank der "ungeheuren Rechercheleistung" von Maike Bruns in dieser zweibändigen Publikation nachzulesen, lobt Kipphoff.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.06.2002
Kai-Uwe Scholz ist hin und weg: Endlich hat jemand, nämlich die Kunsthistorikerin Maike Bruhns, die sich seit mehr als 17 Jahren mit der Geschichte der Hamburger Künstlerszene vor, während und nach dem Nationalsozialismus beschäftigt und dieses dunkle Kapitel der Hansestadt umfassend aufgearbeitet hat. Mit der Vorstellung, in Hamburg hätte es einen "liberalen Sonderweg" für Kunst und Kunstschaffende während der NS-Zeit gegeben, werde hiermit gründlich aufgeräumt. Denn dem war keineswegs so, berichtet der Rezensent. Ganz im Gegenteil, auch in Hamburg haben die Nationalsozialisten ganze Arbeit geleistet und zahlreiche Biografien von Kunstschaffenden zerstört. Bruhns zweibändige Arbeit zeichne diese Entwicklung, so Scholz, "minuziös" nach. Allein schon deshalb findet der Rezensent dieses Werk geradezu "monumental", das darüber hinaus aber auch ganz generell einen "wichtigen Beitrag zur norddeutschen Kulturgeschichte" leiste, eine "unschätzbar wertvolle" Studie über die NS-Kulturpolitik, Bilderbuch und Nachschlagewerk sei, schwärmt Scholz. Bruhns habe, lobt der Rezensent, mit dieser Dokumentation eine wahrhaft "engagierte kulturelle Tat" vollbracht.
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