Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Jan Wilm. Es ist die Geschichte einer Liebe: Maggie Nelson verliebt sich in Harry Dodge, einen Künstler - oder eine Künstlerin? - mit fluider Genderidentität. Harry hat bereits ein Kind, Maggie wird schwanger, zu viert bauen sie ein gemeinsames Leben. "Die Argonauten" ist eine Geschichte queeren Familienlebens, zugleich erfindet Maggie Nelson eine ganz eigene Form der philosophischen Erkundung. Memoir, Theorie, Poesie:  Es ist ein Buch, das sich nicht einordnen lässt und das unsere Einordnungen herausfordert mit seinem offenen Denken. Im Geiste von Susan Sontag und Roland Barthes verbindet Maggie Nelson theoretische und persönliche Erkenntnissuche, um zu einer neuen Erzählung des Wesens von Liebe und Familie zu gelangen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.2017

Rezensentin Hanna Engelmeier liest Maggie Nelson Text "Die Argonauten" sowohl inhaltlich als auch formal als "Transformation". Denn ebenso wie die Autorin von der geschlechtsangleichenden Operation ihres Mannes Harry, ihrer eigenen In-Vitro-Fertilisation und dem Alltag der vierköpfigen Familie erzählt, mäandert sie zwischen den Genres, erklärt die Kritikerin, die hier zwischen autobiografischem Bericht, theoretischer Reflexion, Lektürebericht und Schreibtagebuch wechselt. Mehr noch: Emotionales, körperliche Zustandsbeschreibungen und intime Beziehungen greifen hier mitunter auch jenseits der Schamgrenzen ineinander, meint Engelmeier und staunt, wie Nelson Analverkehr und Wittgenstein kurzschließt. Auch wenn der Rezensentin der immer wieder mit Roland Barthes und Eva Sedgewick jonglierende Text gelegentlich ein wenig "manieriert" erscheint, bewundert sie doch, wie Nelson intellektuelle Theorie, persönliche Emanzipationsgeschichte und Argonautensage verknüpft.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.11.2017

Für Rezensentin Marie Schmidt ist Maggie Nelsons nun auch auf Deutsch erschienener autobiografischer Essay "Die Argonauten" schon jetzt ein "Klassiker" der queeren Literatur. Denn in dem zwischen Liebesbrief, theoretischer Abhandlung, Familiengeschichte und Selbstanalyse mäandernden Text spiele die Autorin nicht nur mit Genre-, sondern auch mit Geschlechtergrenzen, erklärt die Kritikerin, die vor allem staunt, dass Nelson auf sämtliche Abgrenzungen gegenüber der Normalität verzichtet. Vielmehr liest Schmidt eine mit allerhand lyrischen, anekdotischen und kulturkritischen Betrachtungen angereicherte Bestandsaufnahme einer Kleinfamilie, bestehend aus Nelson, ihrem Sohn Iggy und dem "genderfluiden" Performancekünstler Harry Dodge, der in einem weiblichen Körper geboren wurde. Formal erinnert die Kritikerin der Text an Roland Barthes' "Fragmente einer Sprache der Liebe", auch Deleuze, Preciado, Lacan und Butler treten als Gewährsfrauen und -männer auf, informiert die Rezensentin, die zudem noch nie eine derart scharfe Analyse des Gebärens gelesen hat.