Die Geschichte des Klangs

Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN
9783446284241
Gebunden, 104 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren. Die Geschichte einer geheimen Liebe, die einen Sommer lang währt - und die ein Leben lang als die "eigentliche Liebe" nachklingt: Im Schatten des Ersten Weltkriegs lernen sich Lionel und David, zwei Musikstudenten, in einer verrauchten Bar im ländlichen Maine kennen und werden Freunde. Nach dem Krieg wandern sie im Sommer durch die Wälder New Englands, um Volkslieder zu sammeln, die sie auf Wachszylinder aufnehmen. Aus unerklärlichen Gründen bricht der Kontakt ab. Als Jahrzehnte später eine Frau beim Aufräumen eines Dachbodens die Wachszylinder findet, erklingt ihre Liebe noch einmal aufs Neue.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 04.10.2025
Auf nur 100 Seiten erzählt Ben Shattuck über 60 Jahre, hält Rezensent Yannic Walter fest: Im leisen, berührenden Ton erzählt er von Lionel und David, die zur Zeit des Ersten Weltkriegs gemeinsam Musik studieren und sich verlieben. Sie reisen durch Massachusetts, um Folksongs und dazugehöriges Material zu sammeln und aufzunehmen, dieser erste Teil ist Walter noch fast zu glücklich. Erst im zweiten Teil offenbart sich ihm der eigentliche Kern der Geschichte: In den 1980ern wird die Biologin Annie auf einen Dachbodenfund gestoßen, der die Wachsrollen Davids und Lionels enthält, die wie ein "Totem der Erinnerung" vom Vergangenen, aber auch vom Unveränderlichen erzählen, was bisweilen etwas glattgebügelt wirkt, aber dennoch überzeugend von menschlichen Grundbedingungen erzählt, wie der Kritiker betont. Er ärgert sich allerdings darüber, dass die in der amerikanischen Ausgabe enthaltenen anderen Kurzgeschichten auf Deutsch nicht mit veröffentlicht wurden und der Verlag sich zudem für ein KI-generiertes Cover entschieden hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.09.2025
Ben Shattucks Geschichte startet mit einem über achtzigjährigen Mann, der nicht schlafen kann, erzählt Rezensentin Irene Bazinger: Lionel erinnert sich an sein Gesangsstudium am Konservatorium, das er 1916 begonnen hatte, er lernt dort David kennen, mit dem ihm einige Monate eine stürmische, aber geheime Romanze mit Ausflügen in Musik und Natur verbindet. Der zweite Teil, so Bazinger, fokussiert sich auf Annie, die auf ihrem Dachboden Aufnahmen von David und Lionel findet und sie Davids Witwe übergibt. Gelesen wird das Hörbuch von Reinhard Kuhnert und Tessa Mittelstaedt, die beide gut in ihre Rolle passen, wie die Kritikerin befindet, sie hätte sich angesichts des Inhalts "mehr akustisches Kolorit und mehr phonetische Präsenz" gewünscht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 08.09.2025
Eine erstaunliche, intensive Liebesgeschichte entwirft Ben Shattuck laut Rezensentin Manuela Reichart auf gerade einmal gut 100 Seiten. Ihren Ausgangspunkt nimmt sie mit einem Phonographen-Wachszylinder, auf dem einst, im frühen 20. Jahrhundert, Musik aber auch Stimmen festgehalten wurden, zum Beispiel die Stimmen zweier Männer, die im Jahr 1916 im Osten der USA unterwegs waren. Das sind die beiden Liebenden dieses Buches, erläutert Reichart, für beide blieb diese Liebe auch als letztlich unerfüllte, die wichtigste des Lebens. Es geht um eine Wiederbegegnung einer der beiden Männer mit diesen Stimmen, außerdem um eine junge Frau, die ebenfalls den Wachszylinder findet und dadurch eine neue Perspektive auf Fragen der Liebe gewinnt. Dass es Shattuck gelingt, in einem derart schmalen Buch diverse biographische Linien zu einer intensiven Reflexion über die Liebe zusammenzufügen, findet die Rezensentin ziemlich beeindruckend.