Aus dem Amerikanischen von Klaus Hoffer. Lydia Davis' Themen sind überaus vielfältig: von den Irritationen bei der Betrachtung eines Säuglings, über die Vorbereitungen, die Kafka für ein Abendessen mit Milena trifft, bis zur Untersuchung einer Reihe von Briefen einer Schulklasse aus dem Jahr 1952 an einen kranken Mitschüler.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 08.12.2011
Gisela von Wysocki stellt das dritte in deutscher Übersetzung publizierte Werk der viel beachteten amerikanischen Autorin Lydia Davis vor und zeigt sich von ihrer so unterkühlten wie leergeräumten Erzählwelt fasziniert. Überaus plastisch findet die Rezensentin die wüstenhaften Lebensräume dargestellt, die die Autorin in ihren Erzählungen zeichnet. Wysocki skizziert den familiären Hintergrund von Davis, erwähnt ihre Ehe mit Paul Auster und ihre Verbundenheit mit dem französischen Romancier Maurice Blanchot und die Einflüsse des Nouveau Roman, die in ihren Büchern allenthalben zu spüren seien. Worum es in diesen Geschichten geht, lässt sich dieser Kritik nicht wirklich ablesen, aber die Rezensentin vermittelt den Eindruck, dass mit einer durchgefeilten Sprache und einer Erkundung der Grammatik Gefühle in Schach gehalten und zugleich erkundet werden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2011
Am Ende meint Angela Schader in den rundum außergewöhnlichen Stories der Autorin sogar die Möglichkeit einer "litterature engagee" des 21. Jahrhunderts zu erkennen. Wenn es sie gäbe, so müsste sie aussehen, meint Schader: Frei von Didaktik, dafür mit schwarzem Witz und einer sich in den Texten niederschlagenden akrobatischen Denkfreudigkeit. Dass die Stories mitunter nur wenige Zeilen lang sind, stört Schader nicht, erscheinen sie ihr doch als Destillat von Alltagsbegebenheiten, das den Leser allemal das Denken lehrt, indem es das einmal Gesagte umkreist und hinterfragt. Für Schader ein nicht immer ganz schmerzfreier Prozess der Bewusstseinsschärfung, aber ein absolut lohnender. In einer Übersetzung, die ihr zwar einige Male den Ton zu verfehlen scheint, den Texten jedoch insgesamt gerecht wird.
Lydia Davis' Geschichten sind kurz, im Schnitt nur zweieinhalb Seiten lang, teilt Rezensent Lennart Laberenz mit. Er sieht in ihnen Momentaufnahmen des Alltags, "isolierte Gedankensplitter", die den Blick für so manche Absurdität unserer Lebenswelt schärfen. Davis konzentriert sich dabei stets auf die Handlungen ihrer Protagonisten, wie Laberenz beobachtet: Beschreibungen allgemein und Adjektive im Besonderen würden von ihr derart konsequent gemieden, dass eher der Eindruck von "protokollierten" als von erzählten Geschichten enstehe. Diese formale wie sprachliche Askese der Autorin gehört für den Kritiker zu ihren absoluten Stärken. Probleme hat Laberenz allerdings mit der von Klaus Hoffer besorgten Übersetzung. Sie nehme sich mitunter zu viele Freiheiten heraus, und selbst, wo sie korrekt sei, gingen so manche Zwischentöne und Seitenhiebe auf die amerikanische Alltagskultur verloren.
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