Julien Green

Erinnerungen an glückliche Tage

Cover: Erinnerungen an glückliche Tage
Carl Hanser Verlag, München 2008
ISBN 9783446230583
Gebunden, 269 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Elisabeth Edl. Die Kindheit eines kleinen amerikanischen Jungen in Paris, am Beginn des 20. Jahrhunderts. Julien Green lässt in seinen Erinnerungen die"Belle Epoque"auferstehen: das Klappern der Pferdehufe auf dem Pflaster, den Alltag ohne Radio und Telefon, die Schrecken eines strengen, unmenschlichen Schulsystems und die Geborgenheit in der bürgerlichen Familie. Erst als Frankreich in den Ersten Weltkrieg zieht, bricht auch für ihn ein neues Zeitalter an. Ein wunderbares Buch über eine versunkene Welt: Zeitdokument, Entwicklungsroman, Hymnus auf das Glück der Kindheit und ein großes Lesevergnügen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.01.2009

Thomas Laux feiert den Autor als Meister der Darstellung historischer Zeitläufe im Spiegel persönlicher Erlebnisse. Das "eigentliche" Private aber sucht der Rezensent in diesem aus dem Nachlass Julien Greens publizierten Band vergeblich. Vielmehr geht es um eine mit Proust'scher Sinnlichkeit entworfene Liebeserklärung an das Frankreich der Belle Epoque. Derart dicht und betörend erscheinen dem Rezensenten Greens nostalgische Kindheitserinnerungen, dass das so entstehende Bild in seinen Augen schon wieder realistisch wirkt. Und über Greens Privatleben, meint Laux, lässt sich an anderer Stelle im Werk schließlich genug in Erfahrung bringen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2008

Als Schlüssel zum Werk liest Joseph Hanimann die Jugenderinnerungen Julien Greens. Wie Schuppen von den Augen fällt die Erkenntnis, dass Greens melancholische Zerrissenheit zwischen Frankreich und Amerika ein Ursprung seines Schaffens ist. An weiteren "Reizen und Aufschlüssen" ist der Band nicht arm, versichert Hanimann. So taugen die dem Rezensenten höchst interessant erscheinenden Passagen über Kindheit und Krieg in Paris als "Gegenklang" zu Greens späterer Entfremdung von Frankreich. Erstmals auf Deutsch und "vorzüglich" übersetzt von Elisabeth Edel, erzählt der Band vom Glück - und macht glücklich. Den Rezensenten bestimmt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.09.2008

Johannes Willms zeigt sich beeindruckt von den Pariser Kindheits- und Jugenderinnerungen des im Jahr 1900 in Paris geborenen und 1940 in die USA emigrierten Julien Green, dessen Eltern Amerikaner waren. Willms findet, dass das in einer frühen Fassung bereits 1942 in englischer Sprache erschienene Buch dadurch besticht, wie Green sein erlebtes Glück, das mit dem Älterwerden zu verblassen droht, zu erinnern vermag. Trotz der schrecklichen Erlebnisse des Ersten Weltkrieges und des Todes der Mutter beharre Green auf der Glückseligkeit dieser Tage und erinnert, so Willms, die Kindheitserlebnisse als wahre, "hinter der wirklichen verborgene Welt unverlierbaren Glücks". Willms hebt die anregende und flüssige Erzählweise besonders hervor, die die Lektüre zu einem genussvollen Erlebnis macht, lobt die gelungene Übersetzung Elisabeth Edls und empfiehlt das Buch wärmstens, auch und gerade für Leser, die das literarische "Green-Land" bisher noch nicht betreten haben.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.09.2008

Ein Buch von "betörendem Charme" und ansteckender Sehnsucht schreibt Rezensent Fritz J. Raddatz über die Memoiren des amerikanisch-französischen Autors. Weil es so suggestiv eine untergegangene Welt beschwört, könne es auch Stefan Zweigs Titel "Die Welt von gestern" tragen, findet er. Besonders hat Raddatz das Buch mit seinen Landschaftsbeschreibungen begeistert, der auch die Stadt Paris auf diese Weise beschrieben fand. Überhaupt gehören für Raddatz die "zarten Liebeserklärungen" Julien Greens an Frankreich zu den schönsten Momenten des Buchs. Aber auch die Schilderungen seiner Kindheit versetzen den Rezensenten mit ihren Beschreibungen von Pferdekutschen in Paris, mit purpurrotem Plüsch tapezierten Fahrstühlen oder hermelinbesetzten Schuldirektorenmänteln in Verzückung. Doch der Kritiker in ihm muss dann doch auch Schwächen rot Anstreichen. Greens Hang zur "Verhübschung", zum literarischen "Petit Fours". Ist das denn Kunst? Fragt der Rezensent auch mal ernst, um die Sache letztlich zu bejahen: denn neben dem Plätschernden gibt es Raddatz zufolge eben "immer wieder Passagen von großem Ernst".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.08.2008

Erfreut zeigt sich Martin Meyer über die nun vorliegende, "vorzügliche" deutsche Fassung von Julien Greens "Erinnerungen an glückliche Tage". Das Dunkle, Böse, die Daseinsangst - Motive, die in Greens Romanen eine prominente Rolle spielen - findet Meyer in den Erinnerungen des Schriftstellers an seine Kindheit und Jugend nicht. Im Gegenteil: immer wieder muten ihn die Memoiren fast idyllisch an. Greens "education sentimentale" präsentiere sich "ohne Brüche oder Stockungen". Meyer konstatiert hier eine große Unbekümmertheit, eine "unbeschwerte Leichtigkeit des Seins". Er liest dieses Buch auch als wunderbare Hommage an Frankreich. Doch bei aller Harmlosigkeit macht er auch in diesen Erinnerungen einen Zug aus, der "Gewöhnliches, ja Peripheres langsam ins Seelenkundliche abtauchen lässt".