Wie kaum ein anderer hat Joseph Rovan die Höhen und Tiefen des 20. Jahrhunderts erlebt. Seine Memoiren lassen noch einmal die Welt einer großbürgerlichen Familie der zwanziger Jahre entstehen, legen Zeugnis ab von Diktatur und Widerstand, berichten von den intellektuellen und politischen Debatten der Nachkriegszeit, und sie zeichnen lebendige Porträts berühmter Zeitgenossen.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 14.12.2000
Klaus Harpprecht hat nur Bewunderung für das Leben und Tun des Publizisten, Historikers und Politikers Rovan. Und er ängstigt sich, wer einmal das Erbe des agilen 80-Jährigen anzutreten im Stande wäre: Augenscheinlich niemand, denn die großen Mittler zwischen Deutschland und Frankreich sind kein Typ unserer Zeit, suggeriert er. Rovan kannte und kennt einfach alle, wundert er sich, und ist doch dabei verbindlich: ein "Genie der Freundschaft". Während des Krieges in der Résistance, setzte Rovan danach auf einen "dritten Weg" zwischen den Machtblöcken, und entdeckte nach der Niederschlagung des ungarischen Aufstands 1956 den "Realismus Konrad Adenauers", so Harpprecht. Neben seiner unermüdlichen Tätigkeit als Publizist und Zeitschriftenherausgeber war Rovan Mitbegründer der Elitehochschule ENA, setzte sich gegen den Algerienkrieg ein (um den gerade jetzt die Diskussion in Frankreich entbrannt ist), und machte die "Volks- und Erwachsenenbildung" zu seinem zweiten "Lebensthema", informiert der selbst ob der Fülle erstaunte Rezensent. Die Übersetzung findet er nicht so toll und ein sorgfältiges Lektorat hat auch mal wieder gefehlt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.11.2000
Hanno Helbling listet in seiner Rezension eine große Anzahl der Posten auf, die Rovan in seinem Leben bekleidet hat. Dies ist in der Tat erstaunlich, denn Rovan war unter anderem Frankreich-Korrespondent, Professor an der Sorbonne, Delegierter bei der Unesco und Regierungsberater. Dass er dies in seinem Buch auch alles erwähnt, scheint dem Rezensenten allerdings manchmal zu viel zu werden, denn "eine Person, von der man gehört hat, sie aber Rovan nicht kennt, gibt es nicht", stellt Helbling fest. Zwar hält er Rovan für einen "interessanten" Autoren, allerdings deutet der Rezensent an, dass Rovan sich für seinen Geschmack auch ein wenig interessant MACHT. Abgesehen davon jedoch sieht Helbling hier die Schilderung eines "Ineinandergreifen von unfreiwilligem Verhalten und persönlichen Entscheidungen" eines Emigranten, die einem Außenstehenden "schicksalhaft" erscheinen müssen, anders vermutlich, als es der Katholik Rovan es selbst wahrgenommen haben könnte.
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