Liviu Rebreanu

Der Wald der Gehenkten

Roman
Cover: Der Wald der Gehenkten
Zsolnay Verlag, Wien 2018
ISBN 9783552059030
Gebunden, 352 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Rumänischen neu übersetzt von Georg Aescht. Mit einem Nachwort von Ernest Wichner. Erster Weltkrieg: An der russischen Front wird ein Soldat hingerichtet. Man hatte ihn überführt, als er zum Feind überlaufen wollte. Leutnant Apostol Bologa aus Siebenbürgen ist unter den Mitgliedern des Kriegsgerichts, das für das Urteil verantwortlich ist. Ein Jahr später wird Bologa selbst unter dem Galgen stehen, angeklagt der Desertion, weil er sich weigerte, auf seine eigenen Landsleute schießen zu lassen. Er opfert sich und verliert alles - seine Familie, seine Karriere, seine Liebe zu Ilona. Liviu Rebreanu zeichnet hier das Schicksal seines eigenen Bruders nach.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 20.03.2019

Rezensent Tobias Lehmkuhl hält Liviu Rebreanus Roman für einen Sonderfall der Weltkriegsliteratur, da der Autor es fertigbringt, den militärischen mit dem Identitätskonflikt seiner Hauptfigur zu verschränken und zwar als geradliniges Kammerspiel. Zeitlos erscheint Lehmkuhl die Geschichte des Soldaten Apostol Bologa der im Kampf für das Doppelkönigreich Österreich-Ungarn die Orientierung verliert. Wie der Autor psychologisch anschaulich die äußeren Qualen des Krieges und die inneren Qualen eines Loyalitätskonflikts schildert, zugleich den Zwiespalt zwischen weltlicher und geistlicher Liebe, ohne seinen Text zu überlasten, scheint Lehmkuhl bemerkenswert. Die Übersetzung von Georg Aescht überzeugt der Rezensenten durch die nicht historisierend wirkende Abbildung der Sprachwirklichkeit des frühen 20. Jahrhunderts.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.03.2019

Markus Bauer nennt Liviu Rebreanus Roman von 1922, jetzt vorliegend in neuer Übertragung, einen epochalen Wurf von großer emotionaler Intensität. Mit seiner Figur des österreich-ungarischen Leutnants Bologa, dem im letzten Drittel des Ersten Weltkriegs sämtliche Gewissheiten abhanden kommen, hat der Autor laut Bauer einen Vorgänger von Joseph Roths Antihelden aus dem "Radetzkymarsch" geschaffen, psychologisch und philosophisch dicht und wohlgefügt. Meisterhaft findet er Rebreanus detaillierten Schilderungen aus dem ungarischen Teil der Habsburgermonarchie, rührend die eingebaute Liebesgeschichte, anregend die Gedanken über Moral, Pflicht und Menschlichkeit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.02.2019

Rezensent Hans-Peter Kunisch empfiehlt Liviu Rebreanus Roman von 1922 als expressionistisches Meisterwerk der pazifistischen Literatur, das noch vor Remarques "Im Westen nichts Neues" entstand. Schon die gespenstische Auftaktszene auf einem Galgenhügel im Kriegsgebiet des k. u. k. Reichs fasziniert ihn und erinnert ihn an Shakespeare und Beckett. Exaltiert und präzise scheint ihm Rebreanus Sprache, die Figuren scheinen ihm vielfältig, ebenso die Tonlagen, denen die neue Übersetzung von Georg Aescht erfolgreich nachspürt. Grotesk, existenzialistisch und überraschend, was sich im Text abspielt, findet Kunisch. Rebreanu erweist sich für ihn hier als einer der wichtigsten Autoren der rumänischen Moderne.
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