Klappentext

Januar 1941 in Siebenbürgen. Lange schon hat die Kälte, aus dem Westen kommend, das Sachsenland erreicht. Leontine Philippi, graue Strähnen im Haar, schreibt hellsichtig an der Stadtchronik von Zeiden. Das Manuskript aber hält sie unter Verschluss. Mit Franz Herfurth, ihrem Vertrauten aus Kindertagen, spricht Leontine seit Monaten kein Wort. Er ist jetzt Schularzt in Zeiden, untersucht SS-Rekruten, die vom Reich gefordert werden, und hat Gründe, den "Idioten" des Ortes mit Argwohn zu verfolgen. Leontine jedoch lässt sich den Mund nicht verbieten, auch wenn sie bis zum Schluss, noch in höchster Gefahr, über mancherlei schweigt. Ursula Ackrill erzählt davon, wie Menschen aus Opportunismus und Feigheit schuldig werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.12.2015

Für den Rezensenten Cord Aschenbrenner ist Ursula Ackrills Debütroman "Zeiden, im Januar" so interessant wie sperrig, ein "dorniges, gleichwohl reizvolles Hindernis" nennt er ihn. Aus wechselnden Perspektiven und mit vielen Vor- und Rückblenden erzählt die Autorin von den Ereignissen eines Tages im Jahr 1941 im rumänischen Siebenbürgen, wo Anwerber Hitlers versuchen, die deutschstämmigen Einwohner für die Waffen-SS zu rekrutieren, während die Gewalt der rumänischen Nationalisten an den einheimischen Juden in einen Pogrom mündet, fasst Aschenbrenner zusammen. Die Struktur des Buches ist aber so verworren und die Sprache so kunstwillig, dass es Arbeit braucht, um überhaupt zu verstehen was passiert, so der Rezensent, den der Roman gerade aufgrund dieser Widerständigkeit fasziniert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2015

Friedmar Apel schätzt zwar die von Ursula Ackrill erzählte Geschichte über die Verstrickungen der Siebenbürger Sachsen mit den Nazis anno 1941, allein die literarische Umsetzung überzeugt ihn nicht. Der Wechsel der Sprache von lutherisch kernig und bildhaft zu intellektuell irritiert den Rezensenten. Ebenso das Springen von Ort zu Ort und die vielen unausgeführten Nebenfiguren. So gehaltvoll Apel den Text findet, so sehr stören ihn der Referatston und die auf ihn konstruiert wirkenden Dialoge.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.03.2015

Lothar Müller scheint, als hätten die Siebenbürger Sachsen mit diesem Debütroman von Ursula Ackrill eine kritische Chronik erhalten und die deutsche Gegenwartsliteratur eine neue Stimme. Müller verbucht es  als Gewinn, dass die Sprache im Buch auf die Töne der deutschen Gegenwartsliteratur keine Rücksicht nimmt, wenn die Autorin eine Wolke beispielsweise folgendermaßen beschreibt: "Sie kommt vom Berg und bindet in ihren Wassermolekülen die Würze der Tannen, der Wacholderbüsche, die Träume der Winterschläfer von Fett, Blut und Sonne." Ebenso Ackrills Auslegung der Form der Chronik, die den Leser laut Müller tief in das Geschehen im Januar 1941 in Siebenbürgen hineinzieht. Mit der nötigen Aufmerksamkeit, so Müller, gewinnt der Leser eine historisch reiche wie politisch bewusste und kritische Erzählung ohne ideologiekritisches Räsonnement, die ganz nah an den Figuren bleibt und die damaligen Debatten um das "Deutschtum" genau nachzeichnet.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.02.2015

Die Nominierung für den Leipziger Buchpreis kann Christian Thomas gut nachvollziehen. Ursula Ackrills Debütroman über Siebenbürgen anno 1941, über NS-Begeisterung und Gewissenlosigkeit, in Szene gesetzt laut Rezensent mit historischen Figuren und Episoden, die von den Hoffnungen der deutschsprachigen Minderheit in dieser Gegend berichten, aber auch von den technischen Möglichkeiten zum Massenmord, kommt für Thomas auch sprachlich und formal speziell daher. Mit einer komplexen Konstruktion aus Vor-und Rückblenden, präziser Protokollierung der Ereignisse und einem Geflecht aus Miniaturen und kühnen Metaphern, wie Thomas erläutert.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.02.2015

Großen Respekt ringt dem Rezensenten Christoph Schröder dieser Roman ab, in dem die inzwischen in Nottingham als Bibliothekarin arbeitende Ursula Ackrill die Lebenswelt der Siebenbürger Sachsen auffächert. Die Geschehnisse ranken sich um den 21. Januar 1941 im Städtchen Zeiden: Männer werden für die Waffen-SS gemustert, der Apotheker wettert gegen geistig Behinderte, in Bukarest eskaliert die Lage. Sehr einleuchtend findet Schröder hier die Mentalität einer Landsmannschaft erforscht, die das Deutschtum hochhielt, weil es zuvor schlecht gemacht wurde, und die lieber treten wollte als getreten werden. Der Roman fordert dem Leser einiges ab, warnt Schröder, eine geradlinige Handlung gebe es nicht, der Sound sei archaisierend, in seinem Duktus jedoch stimmig unstimmig.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.01.2015

Ernest Wichner ist beeindruckt, wie sicher Ursula Ackrill sich in ihrem Debütroman "Zeiden, im Januar" bewegt. Die Autorin beschreibt nicht nur mit gebührender Präzision die Lage Rumäniens 1941, die Spannungen zwischen den Siebenbürger Sachsen und den Rumänisch sprechenden Rumänen, sie hat für die narrative Ausarbeitung des historischen Hintergrunds mit der Kleinstadt Zeiden auch einen denkbar gelungenen Schauplatz gewählt und sich eine Sprache angeeignet, die in ihrer vertrauten Fremdheit die Lektüre mit einem Authentizität stiftenden "Sepia-Sound" versieht, erklärt der Rezensent angetan.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 24.01.2015

Enttäuscht zeigt sich Dana Buchzik von diesem Debütroman. Dabei scheint ihr der Stoff des Buches, die im Text aus Erinnerungen und Monologen erstehende Geschichte Siebenbürgens im Dritten Reich, ein durchaus reicher zu sein. Was die Autorin Ursula Ackrill daraus macht, findet Buchzik allerdings schwach. Außer einer peinlich geschwollenen Sprache stört sie, dass der Erzählfluss nicht in Gang kommt, die Figuren nicht plastisch werden und die Dialoge sich wie ein Referat über Siebenbürgen lesen.