Linn Ullmann

Ein gesegnetes Kind

Roman
Cover: Ein gesegnetes Kind
Droemer Knaur Verlag, München 2006
ISBN 9783426197349
Gebunden, 380 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger. Erika, Laura und Molly sind Halbschwestern. Ihren Vater Isak lieben und fürchten sie gleichermaßen. Mit ihm haben sie immer wieder wunderschöne Sommerferien verlebt - bis zu jenem tragischen Ereignis, über das sie bis heute schweigen. Jedes Jahr verbringen die drei Mädchen ihre Ferien auf der Insel Hammersö. Auch in jenem Sommer, der für Erika das Ende der Kindheit bedeutet, ist zunächst alles wie immer: Die drei schließen Freundschaften; sie buhlen um die Gunst des Vaters; es gibt eine Mädchenclique, in der Erika um ihren Platz kämpft. Und es gibt Ragnar, einen Jungen, zu dem sich Erika hingezogen fühlt. Als ihre Freundinnen davon erfahren, machen sie gnadenlos Jagd auf ihn. Ragnar kann fliehen, stürzt aber ins Meer, und als die Mädchen mit Steinen nach ihm werfen, wird er getroffen - und stirbt. Jahrzehnte später, als sie sich mit dem mittlerweile betagten Vater treffen wollen, bricht die Schuld von damals wieder auf. Plötzlich erkennen sie, wie sehr sie stets unter Isaks Schweigen zu ihrem Glück, ihren Nöten und Konflikten in der Familie gelitten haben. Auch zu Ragnars Tod hat er sich nie geäußert. Weil dieser ebenfalls sein Kind war?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.2006

Angetan zeigt sich Rezensentin Sabine Doering von Linn Ullmanns Roman um drei Halbschwestern Erika, Laura und Molly und ein dunkles Familiengeheimnis. Die Erinnerungen der Frauen an den letzten Sommer ihrer Kindheit, den sie bei ihrem Vater, einem berühmten Frauenarzt, verbrachten, füge die Autorin zu einer "beklemmenden Schilderung" über die Nöte des Heranwachsens zusammen. "Nüchtern" und "unaufgeregt" erzähle sie auch von der Schuld, die Erika, Laura und Molly in der Vergangenheit auf sich geladen haben. Doering hebt hervor, dass der Roman kein eindeutiges Ende bietet: vor der geplanten großen Aussprache der Halbschwestern mit ihrem greisen Vater Isak endet das Buch. Sie bescheinigt der Autorin, von modernen Frauen zu erzählen und dabei "verhalten die alten Mythen, von der Bibel bis Shakespeare" zu zitieren.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.12.2006

Kristina Maidt-Zinke erkennt in "Ein gesegnetes Kind" von Linn Ullmann unschwer die autobiografischen Wurzeln, denn die Autorin hat in der Figur des Isak Löwenstad ihren Vater, den Regisseur Ingmar Bergman, verewigt. Hier tritt er als despotischer, gleichwohl von seinen Töchtern, den Halbschwestern Erika, Laura und Molly umworbener Frauenarzt auf, was die Rezensentin als besonderen Witz zu würdigen weiß. Ansonsten aber ist der Roman eher schwermütig und zudem in seiner Gesamtkonzeption nicht durchgehend gelungen, findet Maidt-Zinke. Während sie Passagen von mitreißender Poesie gefunden hat und auch so manche Schilderung der skandinavischen "Sommeridyllen" recht einnehmend fand, stört sie sich dann an Textpassagen, die ihr allzu kopflastig und wie das Abspulen eines Pflichtprogramms vorkommen. Was sie allerdings stets anspricht, sind die Darstellungen der spezifisch skandinavischen "Einsamkeit des modernen Menschen", und als "unvergesslich" preist sie die tragikomische Schilderung des Vaters als alten Weisen in einem Provinzschauspiel.
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