Liao Yiwu

Gott ist rot

Geschichten aus dem Untergrund - Verfolgte Christen in China
Cover: Gott ist rot
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2014
ISBN 9783100448149
Gebunden, 352 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Aus dem Chinesischen von Hans Peter Hoffmann. Der Friedenspreisträger Liao Yiwu reiste in die entlegendsten Bergdörfer Chinas, um dort Menschen zu treffen, die seit vielen Generationen und allen Widrigkeiten zum Trotz an ihrem christlichen Glauben festhalten. Er erzählt zahlreiche außergewöhnliche Lebensgeschichten, angefangen bei der 100-jährigen Nonne bis hin zum blinden Straßenmusiker. Ein ebenso seltener wie beeindruckender Einblick in das Leben im Untergrund der größten verfolgten Minderheit Chinas, die es offiziell gar nicht gibt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2014

Ein ebenso erschütterndes wie besonderes Buch hat Rezensentin Raphaela Schmid mit Liao Yiwus "Gott ist rot", das die Situation der Christen in China beschreibt, gelesen. Umso enttäuschender findet die Kritikerin die nachlässig deutsche Übersetzung, die ganze Passagen unterschlage. Dieses Buch hätte größte editorische Sorgfalt verdient, etwa auch eine Zeittafel, ein Glossar und einen informativen Fußnotenapparat, vermerkt Schmid, die Yiwus Arbeit sehr bewundert: Als Dissident aufgrund eines Gedichtes zu vier Jahren Haft verurteilt, schließt sich der Autor nach Misshandlungen, Selbstmordversuchen und Alkoholsucht dem christlichen Arzt Dr. Sun an, begleitet ihn auf seinen Reisen, etwa nach Yunan, und führt die in diesem Buch versammelten Gespräche mit chinesischen Christen, die von Isolationshaft, Quälereien und unaufhörlichen Schikanen berichten. Fasziniert liest die Rezensentin auch Yiwus wortgewaltige Einführungen und Epiloge zu den Gesprächen. Und so richtet sich ihre abschließende Kritik einzig und allein gegen den deutschen Verlag, der diesem wichtigen Buch nicht gerecht wird.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.11.2014

In seinem Blick auf die Alltagspraxis findet Katharina Borchardt Liao Yiwu fabelhaft. Wenn der Autor sich aufmacht im Stil der Oral History zu berichten, wie chinesische Christen gestern und heute leb(t)en und ihren Glauben praktizieren, trifft die Rezensentin Pastoren, Presbyter und Priester und lernt etwas über das positive Christentum, wie der Autor es begreift, über Liebe und Vergebung. Was sie bei Liao Yiwu nicht erfährt, ist, wie das Christentum in China en detail aussieht, welche glaubentheoretischen Unterschiede es gibt zwischen Katholiken und Anglikanern etwa oder auch, was Frauen dazu zu sagen haben. Dass der Autor ausschließlich Männer interviewt und in seinen im Band enthaltenen Essays allzu optimistisch gestimmt über die christliche Kirche nachdenkt, ohne deren Expansionswillen und Strategien zu beleuchten, erscheint Borchardt als Mangel. Politisch kritisch findet sie das Buch aber dennoch, da die Verfolgungen, denen die Christen in China ausgesetzt waren, darin gut dokumentiert werden.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 11.10.2014

Herbert Wiesner kennt den Autor als wandelndes Aufnahmegerät. Ein Sachbuch möchte er Liao Yiwus neues Buch schon darum nicht nennen. Es ist ein Gesprächsband, in dem der im Exil in Berlin lebende Autor (der übrigens kein Christ ist, wie wir erfahren) laut Wiesner leidenschaftlich und wissbegierig und mit literarischer Ausdruckskraft die Leidensgeschichten seiner Gesprächspartner und der christlichen Minderheit in China erzählt. Für Wiesner stecken Yiwus Versuche, Glaubenswirklichkeit zu begreifen, voller Ehrerbietung und Aufrichtigkeit und bestechen dadurch, dass der Autor stets der Fragende bleibt, wenn er sich mit katholischen und evangelischen Christen unterhält. Die Erkenntnisse des Autors über die politische Geschichte der Religionsausübung in China sind laut Wiesner bemerkenswert. Störend fällt ihm auf, wie nachlässig der Band lektoriert ist; Begriffserklärungen und eine Zeittafel vermisst der Rezensent.
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