Die planmäßige Vertreibung und Vernichtung der Christen im Osmanischen Reich, von denen die osmanischen Armenier die größte und besterforschte ethnisch-religiöse Minderheit waren, ist eines der Verbrechen des Ersten Weltkriegs, die nicht nur von türkischer, sondern auch von deutscher Seite bisher verdunkelt worden sind. Keine deutsche Regierung hat die nahezu totale Auslöschung der christlichen Gemeinden im Osmanischen Reich in den Jahren 1915-1916 als gelenkten Völkermord anerkannt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2015
Die FAZ lässt eine kritische Studie über die deutsche Mitverantwortung für den Völkermord an den Armenien ausgerechnet von einem Mitarbeiter des Auswärtigen Amts besprechen! Martin Kröger vom Politischen Archiv des Amtes wird dann auch fast zum Verteidiger der Deutschen in Sachen Völkermord an den Armeniern. Derart geht ihm gegen den Strich, wie Eva Ingeborg Fleischhauer in ihrer Arbeit die deutschen Militärs und Diplomaten zu Mittätern, ja Anstiftern zu dem hundert Jahre zurückliegenden Genozid macht. Das Buch hält der Rezensent eher für ein Pamphlet, auch wenn es laut Kröger von der Anlage her wie eine wissenschaftliche Abschlussarbeit daherkommt. Die Einseitigkeit darin scheint ihm nur schwer erträglich. Die Autorin, schreibt er, blendet neue Forschungsergebnisse aus und wirft angesehenen Forschern Revisionismus vor. Dass Fleischhauer auf eigen Recherchen weitgehend verzichtet und den Machtprgmatismus der Türkei außer Acht lässt, passt da für Kröger ins schiefe Bild.
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