Liao Yiwu

Die Wiedergeburt der Ameisen

Roman
Cover: Die Wiedergeburt der Ameisen
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016
ISBN 9783100448170
Gebunden, 576 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Chinesischen von Karin Betz. In seinem ersten Roman verwebt Liao Yiwu auf poetisch abgründige Weise die Geschichte seiner Familie mit der seines Heimatlandes China, das ihn verstoßen hat. Liao Yiwu saß im Gefängnis, in der Falle des totalitären Wahnsinns, und erfuhr Folter und Demütigung, nur weil er Gedichte schrieb. Allein sein Lieblingsbuch, das wundersame chinesische Orakel "I Ging", half ihm die Hölle der Gefangenschaft zu überleben.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 22.10.2016

Umgerechnet hunderte von Buchseiten hat Liao Yiwu während seiner Haftzeit in den neunziger Jahren aus seinem chinesischen Gefängnis geschmuggelt. Ausgerechnet die Kassiber jedoch, die er Freunden ins Ausland mitgegeben hatte, sind verschollen. Aber da immer noch ein stattliches Konvolut der Aufzeichnungen erhalten geblieben ist, sieht Herbert Wiesner den Ertrag des nun erscheinenden ersten Bandes der Romantrilogie nicht geschmälert. Das Projekt deutet Wiesner als Fiktion und Autobiografie verschränkenden Gegenentwurf zur Ära Mao. Wie Yiwu Momente chinesischer Geschichte mit frechster Erfindung paart zum wortmächtigen, mitunter komischen "Gegenzauber" auch gegen die Sprachregelungen der Partei, hat Wiesner beeindruckt. Ein lesenswerter Bericht vom Überleben im Totalitarismus, findet er.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.10.2016

Andreas Platthaus freut sich über Liao Yiwus ersten Roman. Weniger schön, dass das Buch, bestehend aus Yiwus Aufzeichnungen aus der Haft und später im deutschen Exil hinzugefügten Szenen, zuerst in Deutschland erscheinen muss, weil der Autor in China geächtet ist. Platthaus liebt den schwarzen Humor des Autors, der seine Heimat in diesem Text bis "zur Kenntlichkeit entstellt", wie der Rezensent schreibt. Drastik, Sarkasmus und Burleske begegnen Platthaus, wenn Yiwu, dabei teils aus seiner Familiengeschichte schöpfend, teils die eigene Dissidenz verarbeitend, Wiedergeburt und die ameisenhaftige Beharrlichkeit der Chinesen behandelt. Die bedrohliche Staatsgewalt wird laut Platthaus noch in den fantastischsten Momenten des Romans spürbar. Ob das Buch als Autobiografie zu lesen ist oder als großer Zeitroman über das heutige China, möchte Platthaus nicht entscheiden.
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