Aus dem Englischen von Jens Knipp. Es gibt nur wenige Personen des 20. Jahrhunderts, die ähnlich umstritten sind. Für die einen ein menschenverachtender Diktator, erkannten andere in ihm eine Hoffnung verheißende Lichtgestalt. Fast 45 Jahre lang regiert Castro inzwischen Kuba, er hat die Herrscher in Washington und Moskau kommen und gehen sehen und sich aller weltpolitischen Veränderungen zum Trotz behauptet. Leycester Coltman ist Castro so nahe gekommen wie nur wenige Ausländer, in einer Zeit, als Kuba - nach dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums - sich neu orientieren musste.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.07.2005
Zufrieden ist Rezensent Walter Haubrich mit dieser Biografie Fidel Castros, die der britische Diplomat und frühere Botschafter in Havanna, Leycester Coltman, vorgelegt hat. Selbst Kenner der jüngsten Geschichte Kubas können seines Erachtens daraus Nutzen ziehen, weiß Coltman über Einzelheiten in Castros Lebens doch bestens Bescheid. Haubrich lobt Coltman ausgewogene Darstellung und seine Zurückhaltung bei Werturteilen. Auch die genaue Nachzeichnung der ideologischen Entwicklung Castros findet er überzeugend. Die Kuba-Politik der Vereinigten Staaten kritisiere Coltman als "ignorant und herablassend". Auch die zahlreichen Versuche amerikanischer Geheimdienste, Castro zu ermorden, verschweige er nicht. Kritik übt Haubrich nur an Coltmans Darstellung des Falls des populären General Ochoas, der 1989 nach einem Schauprozess hingerichtet wurde. Diese erscheint ihm "allzu nahe" an der Regierungsversion.
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