Herausgegeben von Ignacio Ramonet. Übersetzung: Barbara Köhler. Einen echten Einblick in sein Leben abseits vom heroisierenden Personenkult hat Fidel Castro lange Zeit verwehrt. An seinem Lebensende hat er nun seine eigene, persönliche Geschichte erzählt. Der erste sozialistische Regierungschef in der westlichen Hemisphäre berichtet unter anderem von seiner Kindheit und enthüllt unbekannte Fakten zur Geschichte seines Landes. Aber auch heikle und kritische Themen werden behandelt: Demokratie und Menschenrechte, die Verhaftung von Oppositionellen und die Todesstrafe für Dissidenten.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 15.10.2008
Ohne Ironie kommt Knut Henkel bei seiner Rezension dieses Interviewbands nicht aus, in dem Ignacio Ramonet, ehemaliger Chefredakteur von Le Monde diplomatique, Fidel Castro allen Raum zur Selbstinszenierung lässt. Kritische Fragen jedenfalls stellt Ramonet dem ehemaligen Chefrevolutionär nicht, wie wir von Henkel erfahren. Stattdessen bietet er ihm Gelegenheit, sich selbst als "Oppositioneller Nummer Eins" und als kärglich besoldeter "Arbeiter der Revolution" zu präsentieren. Dass Ramonet seine Gespräche mit Castro nicht auf Tonband aufgenommen, sondern sie lieber später aus dem Gedächtnis protokolliert hat, befremdet den Rezensenten ebenso wie die Tatsache, dass er das Manuskript von Castro im Nachhinein hat ergänzen, redigieren und "verbessern" lassen. So ist ein einseitiges "politisches Vermächtnis" entstanden. Immerhin sind darin zahlreiche interessante historische Details aus erster Hand und Ausblicke auf den zukünftigen politischen Kurs Kubas zu finden, lobt Knut Henkel.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.09.2008
Recht wohlwollend beurteilt Rezensent Sebastian Schoepp dieses fast 800 Seiten lange Interview, das Ignacio Ramonet mit Fidel Castro geführt hat. Eine "kritische Auseinandersetzung" bietet das "monumentale Castro-Interview" seines Erachtens mit Sicherheit nicht. Er konstatiert bei Ignacio Ramonet, Direktor von Le Monde Diplomatique und Attac-Ehrenpräsident, offene Sympathie und Bewunderung für den "Maximo Lider". Schon im Vorwort überschütte dieser Castro mit "lobenden Adjektiven". Allerdings hat Schoepp auch gar keine Kritik erwartet. Er bescheinigt dem Gespräch eine erkennbar gute Atmosphäre und attestiert dem Autor, Fidel zum Reden zu bringen und so "historische Details für die Nachwelt" zu retten. Überhaupt schätzt er den Band als einen "Steinbruch für Historiker".
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