Fidel Castro, geboren 1926, "maximo lider" und nach wie vor Staatschef der Zuckerinsel Kuba, eines sozialistischen Landes direkt vor der Haustüre der USA, zählt zu den großen Revolutionären des 20. Jahrhunderts. Er ist "commandante en jefe", Oberkommandierender seit über 40 Jahren. Schwerpunkte der Darstellung sind sein abenteuerliches Studentenleben in Havanna, seine Zeit als Guerrillero in der Sierra Maestra, die Raketenkrise im Kalten Krieg, sein Verhältnis zu Che Guevara und seine plötzliche Isolation als einer der letzten marxistischen Staatschefs nach dem Ende der Sowjetunion. Ein Ausblick auf die Zukunft Kubas in der Zeit nach "Fidel" rundet den Band ab.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.10.2003
Die Grundthese von Albrecht Hagemanns Castro-Biographie erscheint Florian Borchmeyer "verlockend": Der "maximo lider" entspreche Max Webers Typus des "charismatischen Führers", "dessen Politik in erster Linie auf den Machterhalt ausgerichtet ist". Hagemann habe also das Gegenteil des offiziellen Revolutionsheroismus im Auge: eine Geschichtsschreibung der "unbequemen Fragen", die er denn auch, so Borchmeyer, allesamt stellt, ohne sie aber überzeugend beantworten zu können - dazu fehle es ihm an "Quellen aus erster Hand" sowie der nötigen "Vertrautheit mit Kuba, seiner Kultur und Sprache". Zudem schieße er sich durch unqualifizierte Vergleiche mit Hitler selber in einen Rückstand, den er nicht mehr aufholen könne. Schade, meint Borchmeyer, und weist auf ein anderes Buch hin, das er zwar auch nicht ruhigen Gewissens empfehlen kann, das aber alles habe, was Hagemann fehlt: die "polyphone" Mammutbiografie der brasilianischen Historikerin Claudia Furiati ("Fidel Castro. Uma biografia consentida"), der auf Kuba alle Türen offen standen, und die so nicht nur ein vollständiges Bild des Menschen zeichnen, sondern auch "lang gehütete Geheimnisse" aufdecken konnte. Allerdings fehle ihr trotz aller Interviews und Quellen jener kritische Ansatz, über den Hagemann nicht hinaus kommt.
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