Leo Strauss

Hobbes' politische Wissenschaft und zugehörige Schriften, Briefe

Gesammelte Schriften, Band 3
Cover: Hobbes' politische Wissenschaft und zugehörige Schriften, Briefe
J. B. Metzler Verlag, Stuttgart 2001
ISBN 9783476012135
Gebunden, 799 Seiten, 49,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Heinrich Meier und anderen. Band 3 enthält neben einer gründlich revidierten Neuedition von "Hobbes' politische Wissenschaft" vier unveröffentlichte Arbeiten zu Hobbes, darunter "Die Religionskritik des Hobbes". Der zweite Teil macht auf 400 Druckseiten erstmals die Briefwechsel von Leo Strauss mit Gerhard Krüger, Jacob Klein, Karl Löwith und Gershom Scholem zugänglich, die zu den philosophisch bedeutendsten Korrespondenzen des 20. Jahrhunderts zählen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.09.2002

In Deutschland ist der 1899 bei Marburg geborene und während des Nationalsozialismus in die USA emigrierte Philosoph Leo Strauss für lange Zeit in Vergessenheit geraten, weiß Herfried Münkler und zeigt sich allein schon deswegen erfreut, dass nun nach und nach dessen Schriften veröffentlicht werden. In den USA, wo Strauss in New York und Chicago politische Philisophie gelehrt hatte, informiert der Rezensent weiter, habe Strauss sich hingegen einen großen Ruf erworben. Besonders interessant scheint Münkler an diesem Denker zu finden, dass er sich jeglichem "Mainstream des liberalen Denkens" konsequent widersetzt habe. Das habe ihm zwar den Ruf eines "Rechtsintellektuellen" eingebracht, so der Rezensent, ändere aber nichts an dessen gelungener intensiver Auseinandersetzung mit der griechischen Antike, in der er den "Schlüssel allen politischen Philosophierens" gesehen habe. Der vorliegende Band jedenfalls sei, ist der Rezensent sicher, gerade wegen der darin enthaltenen Briefwechsel mit Gerhard Krüger, Karl Löwith, Jacob Klein und Gershom Scholem von großer Wichtigkeit für die Strauss-Forschung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.2001

Henning Ritter bemüht sich in seiner Besprechung, in das Denken des Philosophen Leo Strauss einzuführen, dessen Themen und Methoden in der heutigen philosophischen Szene kaum Resonanz fänden. Kern seines Denkens sei gewesen, wie Ritter darstellt, dass Aufklärung und Wissenschaft ihren theologischen Gegner nicht wirklich überwunden hätten, sondern ihn lediglich sich selbst überlassen haben. Das Problem, dass Leo Strauss so unzugänglich sei und das auch bei seiner Abhandlung über Hobbes zutage trete, liegt für Ritter darin, dass Strauss' Texte so dicht gefügt sind, dass "der Lesende durchaus einer gewissen Klaustrophobie erliegen kann". Glücklicherweise, meint Ritter, bietet die zweiten Hälfte des Bandes Strauss' Briefwechsel unter anderen mit dem Philosophen Gerhard Krüger und damit die "einzigartige Gelegenheit, das dichte Gewebe der Texte von Leo Strauss zu lockern". Ausdrücklich lobt Ritter die Herausgeber: "Die eminent schwierige und hervorragende Edition von Heinrich und Wiebke Meier erschließt ein völlig unbekanntes Kapitel der jüngeren Zeitgeschichte und ein faszinierendes Zeitdokument."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2001

Als editorische Meisterleistung rühmt Friedrich Niewöhner diesen Band, der verschiedene Texte von Strauss' neu oder erstmals publiziert und außerdem einen umfangreichen Briefwechsel dokumentiert, den der ins Exil gegangene Philosoph mit Zeitgenossen wie Gershom Scholem, Gerhard Krüger, Jacob Klein und Karl Löwith unterhielt. Die Briefe seien leider ohne Kommentar, bedauert Niewöhner. Der Rezensent empfiehlt dem Leser, dennoch mit den Briefen zu beginnen, da sie das Selbstverständnis des Religionsphilosophen aufzeigen und auch deutlich machen, wie die Studien Strauss' zusammenhängen. So wird laut Niewöhner erst aus den Briefen ersichtlich, dass Strauss seine Hobbes-Studie als Einführung in Maimonides' "Führer der Unschlüssigen" verstanden haben wollte. Die Maimonides-Studie sei dann in der geplanten Form nicht zustande gekommen, schreibt Niewöhner, dafür aber andere Aufsätze, die den Nachhall biblischer Texte auf das politische Denken Englands bezogen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.09.2001

Die Religion als Feind der Politik - so bringt Jürgen Busche Strauss' These auf eine Formel, die er gerade jetzt, nach den Terroranschlägen in den USA, für hoch aktuell hält. Verfaßt hat Strauss den religionskritischen Text bereits in den 30er Jahren, so Busche, und es gebühre dem Herausgeber Heinrich Meier ein großes Lob, ihn nun mit Briefen und anderen "dazugehörigen" Texten gemeinsam veröffentlicht zu haben. Die Politik geht von der Annahme aus, daß der Tod "das größte Übel" sei, führt Busche Strauss' Überlegungen aus, wohingegen die Religion lehre, daß es "ein größeres Übel als selbst den gewaltsamen Tod" gibt. Braucht es deutlichere Worte, fragt Busche und warnt davor, Strauss' Lesart von Hobbes als allgemeine Religionskritik mißzuverstehen. Er führt aus, daß Strauss, als Philosoph, der ausschließlich Texte der Tradition behandelt hat, damit wohl eher eine Kritik der Offenbarungsreligion gemeint hat. Gott gehorchen ja, umschreibt Busche diese Kritik, aber woher wüßte man, ob der Befehl tatsächlich von Gott käme.