Am 7. November 1917 sprach Max Weber in der Schwabinger Buchhandlung Steinike vor liberalen Studenten über "Wissenschaft als Beruf". Seine Rede erfuhr in der Krise der Zeit, deren Radikalisierung sich schon abzeichnete, verschiedenste Resonanzen unter den Intellektuellen. So fragten Karl Löwith, Ernst Robert Curtius und Helmuth Plessner mit Weber nach der Zukunft der intellektuell wie ökonomisch entfesselten Moderne.
Die in diesem Band neben dem legendären Aufsatz Webers versammelten Texte seiner Zeitgenossen rufen dessen Gedanken zur "Entzauberung der Welt" wach, die angesichts ideologischer Weltanschauungen auch heute herausfordern, über Reichweite und Grenzen rationalen Handelns nachzudenken. Der vorliegende, von Matthias Bormuth herausgegebene Band ruft eine Debatte und ihre auch heute noch gültigen Argumente in Erinnerung, die zeigen, dass bereits vor 100 Jahren die Wissenschaft in ähnlicher Weise wie heute unter Druck stand.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.05.2018
Rezensent Christian Marty hält Max Webers 1917 gehaltene Rede noch immer für aktuell. Gegen die Wissenschaftsgläubigkeit der Gender-Theoretiker, Neuro- und Volkswissenschaftler empfiehlt er Webers knallharte Desillusionierung, die laut Rezensent einen heroischen Zug hat, weil der Autor auch sich selbst und seine Rolle angreift. Verdienstvoll erscheint ihm daher die Neuherausgabe des Textes durch Matthias Bormuth.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2017
Rezensent Jürgen Kaube muss ein wenig schmunzeln, dass dieser von Max Weber im November 1917 in einer Münchner Buchhandlung gehaltene Vortrag nun in der Reihe "Fröhliche Wissenschaften" erschienen ist. Denn ziemlich desillusionierend nimmt sich aus, was ihm der Soziologe hier zum Thema erzählt: Wissenschaft sei Spezialistentum mit unsicheren Karriereaussichten, lernt Kaube hier. Zudem müsse der Wissenschaftler trotz geringer Idealisierungschancen bereit sein, Glück und Gesundheit stets dem Erkenntnisgewinn zu opfern - andernfalls würden "betriebsförmige" amerikanische Verhältnisse drohen, erfährt der Kritiker. Mit Gewinn liest er auch die dem Band beigegebenen kritischen zeitgenössischen Kommentare, etwa von Ernst Robert Curtius. Ein anregender Beitrag zur hochschulpolitischen Gegenwart, meint er.
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