Prag, 1948: Als einziges bürgerliches Mitglied verbleibt der Außenminister in der Regierung. Kurze Zeit später stürzt er aus dem Fenster. In Leo Lanias Roman stehen die letzten Stunden im Leben des tschechoslowakischen Außenministers Jan Masaryk unmittelbar vor der kommunistischen Machtübernahme im Zentrum. Lania orientiert sich an den historischen Ereignissen in Prag und knüpft damit an eine für die neusachliche Literatur der 1920er Jahre und für den "Zeitroman" der Weimarer Republik typische Mischform aus fiktiven und real-dokumentarischen Elementen. Lania ging es nicht um die bloße Rekonstruktion eines historischen Einzelfalls in der Art eines Polit-Krimis. Vielmehr wollte er, wie er in seiner kurzen Vorbemerkung zum Roman schreibt, hinter den historischen Ereignissen "die tiefere Wahrheit einer Zeit sichtbar machen".
Auch wenn sie manche Figuren "holzschnittartig" und Leo Lanias Frauenbild schlichtweg "gruselig" findet, hat Rezensentin Kirsten Reimers seinen Roman als wertvolle Lektüre empfunden. Hier geht es um den tschechoslowakischen Außenminister Jan Masaryk, der im Jahr 1948 über Nacht die Entscheidung treffen muss, ob er einer kommunistischen Regierung angehören oder zurücktreten will, erklärt die Kritikerin. Damit zeichnet Lania ihr zufolge das Porträt einer "Gesellschaft im Umbruch", denn die Tschechoslowakei war zu dieser Zeit tatsächlich zwischen dem Einfluss durch die Alliierten und dem durch die Sowjets hin- und hergerissen, wie Reimers weiß. Sie findet, dass es Lania hervorragend gelungen ist, die komplexen zeitgeschichtlichen Zusammenhänge darzustellen und die ideologischen Streitpunkte nachvollziehbar zu machen.
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