Aus dem Englischen von Klaus Modick. Mit einer Vorbemerkung von Helge Malchow und Christian Kracht. Als sich die britischen Soldaten 1944, noch vor Kriegsende also, auf den Weg nach Deutschland machten, steckte dieses Büchlein in ihren Hosentaschen. Eine Anleitung des britischen Außenministeriums, wie mit uns Deutschen umzugehen sei, ein Attest der britischen Zivilisiertheit und eine Warnung vor einem "merkwürdigen Volk". Sehr konkret und teilweise auch ziemlich skurril wird beleuchtet, was wir gerne essen und trinken, welche Sportarten wir betreiben und wie wir feiern. 400.000 Soldaten haben 1944 diesen Leitfaden erhalten, der ihr Bild von uns Deutschen entscheidend geprägt hat. Uns kann er auch heute noch einen Spiegel vorhalten, und das Bild von uns, das wir in diesem Spiegel sehen, ist manchmal erschreckend, manchmal amüsant und oft unfassbar komisch.
Tania Martini liest dieses erstmals auf Deutsch lesbare Benimmbuch für alliierte Soldaten im besiegten Nazi-Deutschland als ein zeithistorisches Dokument und Ausdruck britischer Zivilität. Mit Vergnügen erfährt sie, wie die Deutschen aus Sicht der Briten essen, Sport treiben und ihre Hysterie pflegen. Dass der Ton dabei zwar Vorsicht gebietend, aber nie unsympathisch ist, scheint Martini zu überraschen. Ebenso übrigens, wie genau das Büchlein die Mischung aus Sentimentalität und Kälte beschreibt, die für das Tun der Nazi-Verbrecher so charakteristisch war.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.09.2014
Völkerpsychologie ist nicht ohne Grund aus der Mode, weiß Jens-Christian Rabe, inzwischen werden Klischees nach Möglichkeit vermieden oder hinter wissenschaftlich anmutender Sprache versteckt. Von dem vorsichtigen Bemühen um allgemeine Neutralität heutiger Militärhandbücher ist in dem "Leitfaden für britische Soldaten in Deutschland 1944" noch nichts zu spüren, verrät der Rezensent. Das sorgt für klare Ansagen, so Rabe. Mit der HJ habe Hitler versucht, "eine Roboterrasse ganz nach seinem Herzen" zu züchten, die "Macht vor Recht" stelle, weshalb Vorsicht geboten sei, auch allgemein sei der Deutsche meist heuchlerisch und aufbrausend, fasst der Rezensent zusammen, der der Versuchung widersteht, solche Vorurteile mit einem Schmunzeln wegzuwischen und sich fragt, wie man als Nachgeborener angemessen darauf reagieren kann. In jedem Fall freut sich Rabe, dass ein solches Buch es auf die Bestseller-Listen geschafft hat.
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