In den 1990er-Jahren erlebte der Dandyismus mit den Popliteraten um Benjamin von Stuckrad-Barre und Christian Kracht eine unerwartete Renaissance. In ihrem Buch "Tristesse Royale" wurde der Begriff kulturtheoretisch und performativ erneuert. Die darin entworfenen Bilder und Argumente durchziehen seitdem die deutschsprachige Popliteratur. Die Autoren dieses Bandes fragen nach neuen Spielformen von Dandytum und Dekadenz. Ist der neue Dandyismus wirklich so unpolitisch, wie er sich gibt? Welcher Formen und Medien bedienen sich die heutigen Dandys? Welche Rolle spielen dabei populäre Kunst und Musik? In welche Traditionslinien schreiben die Autor/innen sich ein? Wie steht es um die Geschlechtsidentität der als verweiblicht geltenden Figur? Gibt es auch weibliche Dandys? Welche Strategien der Selbstvermarktung werden von den Autor/innen verfolgt? Und schließlich: Warum sind die popmodernen Dandys eigentlich so depressiv?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.04.2010
Der Band ist aus einer Vorlesungsreihe der Berliner Humboldt-Universität hervorgegangen, in der vorwiegend Literaturwissenschaftler von ihnen als Ausprägungen des Dandytums begriffene Phänomene des späten 19. und des späten 20. Jahrhunderts untersuchten und auch verglichen. Der Rezensent Felix Johannes Enzian findet das im Detail teils durchaus anregend, vermisst aber in den meisten der Texte genaue Differenzierungen im Historischen wie im Aktuellen. Da würden "Dandytum, Ästhetizismus, Snobismus, Camp, Pop- und Postmodernität" recht unterschiedslos als vergleichbare Phänomene betrachtet. Das sei aber falsch. Die Broker in Bret Easton Ellis' "American Psycho" seien, nur zum Beispiel, gerade nicht als Dandys, sonders als "reiche Proleten" gezeichnet. Am eindeutigsten positiv kommt der eher soziologisch orientierte Aufsatz von Günter Erbe über den Ur-Dandy Beau Brummell weg.
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