Jan Brokken

Die Vergeltung

Rhoon 1944: Ein Dorf unter deutscher Besatzung
Cover: Die Vergeltung
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2015
ISBN 9783462047257
Gebunden, 400 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen. Im von der Wehrmacht besetzten niederländischen Dorf Rhoon findet ein deutscher Soldat am 10.10.1944 den Tod. Die folgende Vergeltungsmaßnahme ist entsetzlich: Sieben Männer aus dem Dorf werden hingerichtet, ihre Frauen und Kinder vertrieben, ihre Häuser in Brand gesteckt. Warum dieser Anschlag auf den Soldaten? Oder war es doch "nur" ein Unfall? Jan Brokken hat für sein Buch Interviews mit 185 Zeitzeugen geführt, hat Prozessakten eingesehen und rekonstruiert minutiös die Ereignisse aus dem Oktober 1944. So entsteht das Bild eines Dorfes in Zeiten des Krieges, in dem persönliche Interessen und Ressentiments den Alltag bestimmen und die bis in die Gegenwart hinein fortwirken.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.10.2015

Rezensentin Ursula März hat angesichts der akribischen Recherche Jan Brokkens das Gefühl, noch nie so dicht an ein Geschehen im Zweiten Weltkrieg herangeführt worden zu sein. In "Vergeltung" beschreibt Brokken den Fall einer spontanen Exekution von sieben Einwohnern des niederländischen Ortes Rhoon durch die deutschen Besatzer im Jahr 1944, nachdem ein Wehrmachtssoldat von einem herabhängenden Starkstromkabel getötet worden war, berichtet die Rezensentin. Der Autor hat mit mehr als einhundertfünfzig Zeitzeugen gesprochen und tausende Seiten Akten gewälzt, um kleinstteilig die individuellen Geschichten der Beteiligten aufzurollen, die, jeder für sich, erstaunlich scharfe Gestalt annehmen, lobt März. Wissen, so vermittelt, nutzt sich vielleicht weniger schnell ab als von Gräuelfotos ausgelöste Emotionen, überlegt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.02.2015

Die traurige Tatsache, dass der Krieg niemals vorüber ist, lernt Dirk Schümer in diesem Buch des niederländischen Romanciers Jan Brokken kennen. Brokken rekonstruiert aus einer Unmenge Archivmaterial und aus Gesprächen mit Historikern und Nachgeborenen ein Vergeltungsmassaker der Wehrmacht 1944 bei Rotterdam. Dass es dem Autor nicht darum zu tun ist zu verurteilen und Schuldige zu identifizieren, rechnet ihm der Rezensent hoch an. Laut Schümer geht es dem Autor stattdessen darum, die Verwüstungen über den Krieg hinaus sichtbar zu machen, was ihm anhand der Fallbiografien nahezu fotorealistisch gelingt. Sowohl das Ausmaß der Kollaboration wird für den Rezensenten so sichtbar als auch die fortwirkenden Traumata und Lebenslügen. Zum Teil ist die Schilderung der Versehrungen derart, dass Schümer es kaum erträgt, dann wieder liest sich das Buch für ihn als packender Krimi.

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