Am 22. Feburar 1942 nahm sich der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig, einer der berühmtesten Autoren seiner Zeit, gemeinsam mit seiner Ehefrau Lotte im brasilianischen Exil das Leben. Es war die Verzweiflungstat eines Flüchtlings, der aus Europa hatte fliehen müssen, aber ohne die Kultur Europas nicht leben konnte. Er selbst war einer der Repräsentanten dieser Kultur, die nun von der Barbarei der Nazis vernichtet wurde, die seine Werke verbrannten, nur weil er jüdischer Herkunft war, die seine Freunde verfolgten und vertrieben, die keinen Platz auf der Welt ließen für einen überzeugten Pazifisten und Humanisten wie ihn. Es war aber auch die Verzweiflungstat einer Frau, die es nicht vermocht hatte, ihrem Mann ein Leben in der Fremde möglich zu machen und die ohne ihren Mann nicht leben wollte. Eine beklemmende Graphic Novel über die Tragödie eines Mannes, eines Paares und eines ganzen Jahrhunderts. 2010 erschien das französische Buch "Vorgefühl der nahen Nacht" von Laurent Seksik, ein biografischer Roman über die letzten Tage Stefan Zweigs. Nun hat Seksik den Text für diese Graphic Novel überarbeitet, Guillaume Sorel hat beeindruckende Bilder dazu geschaffen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2012
Ziemlich gelungen findet Rezensent Andreas Platthaus diesen Comic, dessen "literarisches Raffinement" durch die grafische Komponente noch erweitert wird, statt es nur zu wiederholen: Dass ein Autor von literarischem Rang mit einem Comiczeichner kollaboriert, sei in Frankreich zudem eine häufiger anzutreffende Arbeitweise, die in Deutschland kaum denkbar sei, wie Platthaus ausführt. So schildern Sorel und Seksik Stefan Zweigs letzte 190 Tage, bevor dieser sich im brasilianischen Exil 1942 das Leben nimmt, und damit die "elegische Stimmung" des Autors, der unter den Eindrücken des Zweiten Weltkriegs weder für sich noch für die Zivilisation eine Zukunft sieht. Gut gefallen dem Rezensenten die stilistische Gestaltung des Comics und dass sich daraus viel über Zweig, Brasilien und die "Psychologie von Heimatlosen" lernen lässt.
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