Christian Goeschel

Selbstmord im Dritten Reich

Cover: Selbstmord im Dritten Reich
Suhrkamp Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783518422694
Gebunden, 338 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Klaus Binder. Hitler, Goebbels, Bormann und Himmler sie alle brachten sich um, als "ihr Deutsches Reich" unterging. Die Geschichte des Selbstmords im Dritten Reich zu erzählen bedeutet aber vielmehr, ganz andere Personen in den Blick zu nehmen: Anhänger und Gegner des Regimes, Soldaten und Frauen, verfolgte Gruppen, unter ihnen insbesondere Juden. Die Motive, die bereits in der Weimarer Republik, verstärkt jedoch während des Zweiten Weltkriegs und nach der Kapitulation zu hohen Selbstmordraten geführt haben, differieren.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.05.2012

Der in Sheffield lehrende Historiker und Rezensent Benjamin Ziemann hat Christian Goeschels Studie über Selbstmord im Dritten Reich offenbar mit Interesse gelesen. Zunächst mal hält er fest, dass die Selbstmordrate im Frühjahr 1945 stark anstieg: In Berlin brachten sich im April 1945 fünf mal mehr Menschen um als in den Jahren davor. Ziemann hält es für wahrscheinlich, dass die Angst vor den Russen dabei eine entscheidende Rolle spielt. Dafür spreche auch, dass die Selbstmordrate bei Frauen, die Vergewaltigung fürchteten, ausnahmsweise höher war als bei Männern. Aufschlussreich findet Ziemann auch Goeschels Vergleich mit Selbstmorden in der Zeit davor, ab der Weimarer Republik, in der die Motive ganz andere waren. Für Ziemann zeigt sich: Die Nazis schufen Chaos statt Stabilität, daher die erhöhten Selbstmordraten.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.02.2012

Auch wenn die halbe Nazi-Führung am Ende des verlorenen Krieges Selbstmord beging, lehnte sie den Selbstmord aus ideologischen Gründen ab. Das zumindest lernt Oliver Pfohlmann aus der Studie des in London lehrenden Historikers Christian Goeschel, der sich diesem Thema auf drei verschiedenen Ebenen nähert, einer diskurstheoretischen, einer statistischen und einer individuellen.  Der Rezensent findet die Arbeit "vorzüglich lesbar" und verfolgt mit Interesse das Material, das Goeschel hier ausbreitet. Zum Schluss fragt er allerdings, ob man wirklich von Selbstmord sprechen kann, wenn sich Tausende von Menschen, vor allem Juden, aus Verzweiflung und Angst vor Verfolgung das Leben genommen haben. Goeschel wertet dies nach Informationen des Rezensenten als einen Akt der Selbstbehauptung.
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