Laurent Seksik

Vorgefühl der nahen Nacht

Roman
Cover: Vorgefühl der nahen Nacht
Karl Blessing Verlag, München 2011
ISBN 9783896674432
Gebunden, 240 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Hanna van Laak. Im September 1940 kommt Stefan Zweig mit seiner zweiten Ehefrau, der dreißig Jahre jüngeren Lotte Altmann, nach Brasilien. Mit seiner ethnischen Buntheit ist dieses Land für ihn ein Gegenentwurf zum in Europa herrschenden Rassenwahn. Voller Hoffnung quartiert er sich nördlich von Rio ein. Auch seine Frau knüpft an Brasilien große Erwartungen. Sie werden herzlich aufgenommen, sie werden gefeiert und sie feiern mit sogar im Karneval. Die Farben leuchten, das Klima lässt Lotte aufleben und in Ernst Feder, dem früheren Chefredakteur des Berliner Tageblatts , gewinnen sie einen unterhaltsam ironischen Freund.
Doch Stefan Zweig ist nicht nur auf der Flucht vor den Nazis. Er flieht auch vor den Gespenstern, die ihm nachts den Schlaf rauben die Schatten seiner toten Freunde, allen voran Joseph Roth. So fällt es ihm schwer, seiner Frau die Gefühle zu zeigen, die sie ersehnt. Umgekehrt will sie lange das Ausmaß seiner Verzweiflung nicht wahrhaben. Eine der großen Tragödien der Weltliteratur nimmt ihren Lauf.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2011

Rezensent Joseph Hanimann zeigt sich enttäuscht angesichts seiner hohen Erwartungen an Laurent Seksiks Roman über Stefan Zweig. Immerhin verspricht so ein Buch jede Menge Exotik (des brasilianischen Exils), Grauen (Nazideutschlands) und persönliches Leid (bis zum Freitod Zweigs). Die Umsetzung als Melange zwischen Realsituationen und Autorenfantasie gelingt jedoch nicht zu Hanimanns voller Befriedigung. Der Autor scheint gar zu geschickt in Sachen Effekthascherei. Gelingt die Figurenzeichnung laut Rezensent, scheitert Seksik an der Zielsetzung, buchstäblich an der Setzung eines Ziels. Für Hanimann bleibt das Buch eher ein Feature mit durchaus reizvollen Szenen, aber zu langen Monologen, zu üppigen Klischees und insgesamt zu viel impressionistischer Beliebigkeit.