Aus dem Ungarischen von Heinrich Eisterer. Eines Tages tauchen Hunde in der Stadt auf. Sie bedrohen die Frau des Färbers Wu auf dem Heimweg, erwürgen die Schafe und beißen ein Kind tot. Ihre vom Mondlicht vergrößerten, unheimlichen Schatten huschen des Nachts durch die Straßen, als hätten Dämonen die Stadt besetzt. Im Tempelgarten und auf dem Seidenmarkt kämpfen die Menschen mit den Hunden, doch sie sind wehrlos - die Ordnung ihrer Welt zerfällt. Da hört jemand von den Hundejägern von Loyang, man versucht, sie ausfindig zu machen. Alle Hoffnung, alles Warten richtet sich auf sie, doch niemand verirrt sich in die verwahrloste Stadt. Die Katastrophen und Wunder, die sich in Darvasis imaginärem China ereignen, irritieren durch ihre seltsame Vertrautheit - nicht nur, weil die Hundejäger Verwandte der Tränengaukler sind, die in Mitteleuropa über Glück und Unglück wachen...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.05.2003
Für Ilma Rakusa ist der ungarische Autor "einer der produktivsten und eigenwilligsten seiner Generation", und auch dieser Band mit in China spielenden Erzählungen enttäuscht sie nicht. Als für die Geschichten "konstitutiv" betont sie "Pointenlosigkeit", die Weigerung, Rätsel aufzulösen und die Neigung, die Leser durch "Verfremdungen und Anomalien zu brüskieren", was sie allerdings für einen Vorzug der Texte ansieht. Die Rezensentin findet, dass sich der Autor in diesem Buch "wie selten in seinem Element" bewege, indem er die Geschichten immer wieder "befremdlich aus dem Ruder laufen" und in "Ambivalenz" enden lasse. Dabei gerate der Leser entweder in einen verwirrten oder verzauberten Zustand oder werde vom Autor durch einen "erzählerischen Backenstreich" über seine völlige Unwissenheit unterrichtet, so Rakusa begeistert. Sie preist Darvasis "borgesianische Poesie" und Phantasie und sie ist besonders erfreut, dass die Geschichten nie in "gängige Topoi" oder gar in irgendeine "Moral" münden, sondern Fragen schlicht unbeantwortet stehen lassen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.05.2003
Jörg Plath hat eine anregende Lektüre genossen und die Bilder noch im Kopf: "Die reichlich rollenden Köpfe in Laszlo Darvasis faszinierendem Erzählungsband (...) liefern die knöcherne Begleitmusik zur Maßlosigkeit der Wünsche." Darvasis Strategie sei die "phantastische Archaisierung": Märchenhaftes und Konzeptuelles treffen sich zur Erkundung des Verhältnisses von Realität und Imagination. In den "Chinesischen Geschichten" geht es, so Plath, um Fürsten, die Raum und Zeit ganz und gar ihren Wünschen gefügig machen wollen und allesamt scheitern, "weil in der vertrauten Wirklichkeit unerwartet das Imaginäre sein Haupt erhebt"; sie handeln also "von allerlei Schiffbrüchen eines einfachen Wirklichkeitsbegriffs". Dazu benötige Darvasi jeweils nur wenige Seiten, auf denen er umso mehr Lust an metaphysischen Spielen unterbringe. Plath hat sich anstecken lassen, erinnert noch einmal an Darvasis ältere Bücher, und spricht eine enthusiastische Empfehlung aus.
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