Zoltan Danyi

Der Kadaverräumer

Roman
Cover: Der Kadaverräumer
Suhrkamp Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783518428351
Gebunden, 251 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Terezia Mora. Die Rede war von fünf toten Füchsen, die an der ungarisch-serbischen Grenze auf der Straße lagen. Als die Männer vom Räumkommando dort ankommen, sind es Dutzende Kadaver, auch Hunde und Katzen - erschossen, wie sich herausstellt, von Grenzposten, die sich die Zeit vertreiben wollten. Der Krieg auf dem Balkan ist lange vorbei, dennoch sind es Erlebnisse wie diese, die den Erzähler in seine Vergangenheit zurückstoßen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 12.01.2019

Rezensentin Dorothea Dieckmann traut sich kaum, aus Zoltán Danyis Roman über den jugoslawischen Krieg zu zitieren, so grauenvoll findet sie ihn. Die Geschichte über einen jungen Mann, dem die Flucht nach Amerika nicht gelingt und der dann zum Kadaverräumer in Serbien wird, zeigt laut Kritikerin ein Opfer, das durch den Krieg zum Täter gemacht wurde. Die Umstände seines Lebens werden ihr zufolge in einer solchen Rohheit gezeichnet, dass der Roman ihrer Meinung nach zu einer "Mimikry" dessen verkommt, was er eigentlich anklagen möchte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.12.2018

Rezensentin Andrea Heinz fühlt eine gewisse Verwandtschaft mit dem zwischen Vergangenheit und Gegenwart zerrissenen Antihelden in Zoltan Danyis Debütroman. Das Ringen des Autors wie auch seiner Erzähler-Figur mit der Geschichte von Krieg und Gewalt scheint ihm von allgemeiner Gültigkeit zu sein. Wie der Autor, selbst Angehöriger der ungarischen Minderheit in Serbien, den Balkankonflikt thematisiert, roh und drastisch, als Strom von Assoziationen, Erlebnissen, Schmutz und Schmerz, findet der Rezensent angemessen. Die Übersetzung von Terezia Mora scheint ihm stimmig.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.12.2018

Ilma Rakusa empfiehlt eine neue, ungewöhnliche Stimme der ungarischen Literatur: Zoltan Danyi. Dessen Roman scheint Rakusa so verstörend wie rauschhaft. Verstörend wegen der vielen Traumatisierungen, die der aus Serbien stammende Antiheld im Buch seit dem Jugoslawienkrieg mit sich herumträgt, und den Verwüstungen der Gesellschaft während und nach dem Krieg, die Danyi schonungslos darstellt. Rauschhaft aufgrund der drängenden, musikalischen, an Bernhard erinnernden Sprache, die Terezia Mora der Rezensentin zufolge glänzend übersetzt hat. Aufwühlend, verzweifelt und in Zeiten europäischer Zerrüttung äußerst wichtig erscheint Rakusa diese Prosa.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2018

Rezensent Tilman Spreckelsen erfährt aus Zoltan Danyis Roman, wie das zivile Leben nach den Jugoslawien-Kriegen der 90er mit der Vergangenheit zurecht kam beziehungsweise kommt: schwer. Die Perspektive eines jungen, verstörten Kriegsteilnehmers der ungarischen Minderheit in Serbien, der durch sein Leid am Krieg in die Fänge des als Heilpraktiker verkleideten Radovan Karadzic gerät und sich der Erinnerung nicht erwehren kann, sowie die achronologische Erzählweise scheinen Spreckelsen dem Versuch der Figur angemessen, an ein altes Geheimnis zu rühren.
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