Die Jahre 1910 bis 1914, die der dritte Doppelband der Dokumentation von Paul Cassirers Ausstellungen umfasst, gelten als die glanzvollste Zeit der modernen Kunst in Berlin. Ein gutes Dutzend Jahre hatte Cassirer gegen konservativ-nationale Vorurteile, gegen Ignoranz und Ressentiment an gekämpft - und nun setzte plötzlich breite Anerkennung ein. Van Gogh, Cézanne und Munch wurden richtungsweisenden Leitfiguren der jungen Künstlergeneration, und der Impressionismus galt unversehens als die "neue Klassik". Die Entwicklung vollzog sich so rasch, dass Cassirer schon bald Gefahr lief, von ihr überholt zu werden. Neue Künstlervereinigungen wie die "Brücke" und der "Blaue Reiter" schufen sich eigene Plattformen, und mit Herwarth Waldens "Sturm"-Galerie etablierte sich ein neuer Sammelpunkt der Avantgarde. Was aus heutiger Sicht als Hochblüte vielfältigster Kunstentwicklungen erscheint, war zugleich ein Kampfplatz, auf dem mit unzimperlichen Methoden gegeneinander vorgegangen wurde. Die Spaltung der Berliner Secession unter Cassirers Präsidentschaft im April 1913 ist dafür ein sprechendes
Zeichen. Die Ausstellungen des Kunstsalons blieben davon jedoch weitgehend unberührt. Souverän bestimmte Cassirer von dort aus weiter das Geschehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2016
Für Andreas Platthaus ist dieser prachtvolle Doppelband schlicht ein "kunstgeschichtliches Feuerwerk". Der Kritiker ist ganz fasziniert von der ebenso sorgfältigen wie aufwändigen Recherche der beiden Herausgeber Walter Feilchenfeldt und Bernhard Echte, die anhand der zeitgenössischen Berichterstattungen in den Berliner Zeitungen die Geschichte der Ausstellungen im Kunstsalon Cassirer rekonstruieren. Allein, dass hier immerhin 39 der 83 Bilder, die im Jahre 1913 ausgestellt wurden, im Bild dokumentiert werden, gilt dem Rezensenten als Sensation. Mehr noch: Neben den von Echte verfassten Begleitexten zu Ausstellungen und Galeriegeschehen bei Cassirer findet Platthaus hier 1370 überwiegende farbige Abbildungen aus den Ausstellungen der Jahre 1910 bis 1914 - in hervorragender Druckqualität. Dass hier außerdem alle Besprechungen und Ankündigungen der Ausstellungen versammelt sind, macht für den Kritiker das Lektüre-Glück vollkommen.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…