Wer von Nordamerika spricht, meint zumeist die USA, nicht aber Kanada, die zweite nordamerikanische Nation, deren Literatur längst - man denke an Namen wie Atwood, Ondaatje, Munro, Hemon, Tremblay, Hebert - aus dem Schatten der europäischen Mutterliteraturen (Frankreich und Großbritannien) und der amerikanischen Literatur herausgetreten ist. Die vorliegende Darstellung beginnt mit den mündlichen Traditionen der Inuit und "First Nations". Sie stellt die Literaturen der beiden sogenannten Gründungsvölker vor. Die anglo- und frankokanadische Kultur, deren spannungsreiches Verhältnis lange das kulturelle Gedächtnis Kanadas dominierte, verwandelt sich seit der multikulturellen Orientierung des Landes 1971 in ein polyphones Gedächtnis, das zunehmend von "ethnischen" Stimmen geprägt wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2006
Seine liebe Mühe hatte Kurt Tetzeli von Rosador mit dieser Geschichte der kanadischen Literatur, und sie von A bis Z durchzulesen ist ihm nur aus dem Pflichtgefühl des Rezensenten heraus gelungen. Trotz der zahlreichen Autoren, die an diesem Werk mitgearbeitet haben, ist das Buch im Ton erstaunlich einheitlich und dabei ziemlich ermüdend geraten, nörgelt der Rezensent. Die Intention, möglichst viele kanadische Texte vorzustellen, habe zu viel zu langen Nacherzählungen geführt, so der Rezensent weiter, wobei er immerhin anerkennt, dass durch die additive Aneinanderreihung von kanadischen Autoren und ihren Werken das Buch zumindest als Lexikon zu nutzen ist. Alles in allem aber ist er von der "Biederkeit" und "Trockenheit" dieser Literaturgeschichte ziemlich enttäuscht und kritisiert insbesondere, dass der Vergleich von englisch- und französischsprachiger Literatur in Kanada auch nur durch den "Buchbinder" zustande gekommen ist, inhaltlich aber kaum geleistet wird.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Daniel Kehlmann: Afrika Im Winter 1884 versammeln sich auf Einladung Bismarcks die großen Mächte zu einer Konferenz, auf der ein ganzer Kontinent mit all seinen Reichtümern aufgeteilt werden soll:… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…