Knut Hamsun

Auf überwachsenen Pfaden

Roman
Cover: Auf überwachsenen Pfaden
List Verlag, München 2002
ISBN 9783471794661
Gebunden, 188 Seiten, 17,00 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Alken Bruns. Mit einem Nachwort von Heinrich Detering. Knut Hamsun ist so umstritten wie kaum ein anderer Nobelpreisträger. Seine politische Haltung während der Zeit der Okkupation Norwegens war Grund genug, ihn 1945 zu inhaftieren und schließlich - nach einer Haftzeit von zwei Jahren, die er zunächst in einem Krankenhaus, dann in einem Altersheim und schließlich in einer Psychiatrischen Klinik verbringen musste - im Jahr 1948 vor Gericht zu stellen. In seinem Alterswerk "Auf überwachsenen Pfaden" schildert Hamsun eben diesen Zeitraum, die Jahre der Haft und auch den Prozess.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.10.2002

Eberhard Rathgeb beschäftigt sich in der Besprechung des letzten, 1949 erstmals erschienen Romans von Knut Hamsun vor allem eingehend mit dem Prozess, den man ihm nach Kriegsende machte. Wegen seiner Mitgliedschaft in der nationalsozialistischen Partei Norwegens, der auch seine Frau angehörte, und nicht zuletzt wegen seines begeisterten Nachrufs auf Hitler nach dessen Tod, wurde er 1947 zunächst zwangsweise in eine Klinik eingewiesen und später zu einer Geldstrafe verurteilt, informiert der Rezensent. In diesem Roman machte er sich laut Rathgeb selbst den "literarischen Prozess" und erteilte sich anschließend "Schreibverbot". Damit hat er am Lebensende seinen "allerwichtigsten Streit ausgefochten", meint Rathgeb, der auch darauf hinweist, dass Hamsun sich zumindest "auf die Länge seines letzten Buches" einen Freispruch ausstellt. Der Roman ist nicht nur für den norwegischen Autor ein ungewöhnliches Buch, sondern für die Literatur überhaupt "ohne Vorbild", staunt der Rezensent, der ihn als eine "Art Stundenbuch" charakterisiert. Was zunächst wie ein "wahlloses Sammelsurium" von Erzählungen, Bekenntnissen und Berichten wirkt, ist in Wahrheit äußerst kunstvoll zusammengestellt, betont Rathgeb. Er sieht hier die "Ästhetik gegen die Moral antreten" wobei er allerdings nicht mitteilt, in welcher Weise das geschieht und wer in diesem Wettstreit die Oberhand hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.10.2002

Drei Jahre, von 1945 bis 1948, hat der norwegische Schriftsteller Knut Hamsun (1859 bis 1952), der 1920 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet worden war, an dieser "biografischen Prosa" geschrieben, berichtet Rüdiger Wartusch. Der Ausgangspunkt für diese Arbeit war, informiert der Rezensent, ein Prozess, dem sich Hamsun wegen Kollaboration mit den Deutschen unterziehen musste. Einige Passagen dieses Textes klingen, meint Wartusch, "kommod", "beschaulich" und sogar "sympathisch". Doch stelle sich schnell heraus, dass Hamsun hier vor allem eine Maskierung seiner selbst betreibe. Und so bleibe diese "biografische Prosa" hochgradig unreflektiert, befindet der Rezensent und beklagt sich außerdem, dass es der Verlag versäumt habe, der Ausgabe einen "erhellenden Anhang" beizugeben. Das Nachwort von Heinrich Detering gebe zwar einen "ersten", aber nicht ausreichenden "Einblick in die Problematik des Textes". Und so lese sich das Buch als eine zwar "wohlgesetzte", aber "unbegründete" Auseinandersetzung mit Hamsuns Mitschuld an der NS-Zeit, die sich zwischen "Verdrängung" und "Verleugnung" bewege, befindet der enttäuschte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.06.2002

"Schmal und erstaunlich heiter", findet Burkhard Müller Hamsuns Buch. Vor allem, wenn man bedenkt, dass er es in einer psychiatrischen Anstalt geschrieben hat, von 1945 bis 1948, also nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem er deutlichste Sympathien für den Nationalsozialismus gezeigt hatte. Es sollte ihm der Prozess gemacht werden, erklärt der Rezensent weiter, doch machte man seinen "politischen Kasus" zu einem "klinisch-privaten" und hoffte wohl insgeheim, der alte Hamsun würde recht rasch das Zeitliche segnen. "Es könne ermüdend sein, auf den Tod alter Leute zu warten", kommentiert dies der Schriftsteller, "mit der Schadenfreude der Zähigkeit", schreibt Müller sichtlich beglückt. Der Reiz dieses Buches liegt nach Ansicht des Rezensenten in Hamsuns bewusster Entrücktheit, die in der Taubheit ein kurioses Echo findet. Denn anstatt auf die "großen Anklagen" zu antworten, beschreibt Hamsun sein Leben in der psychiatrischen Gefangenschaft, mit einem Witz, so Müller, "der seine Gegner erbittern muss". Doch gerade in diesen "Kleinigkeiten" zeichnet sich gewissermaßen die Antwort auf die "großen Anklagen" ab, die "Manifestation eines Charakters" nämlich, der in seinem "anarchischen Eigensinn" sich letztlich nie ganz von etwas vereinnahmen lässt. Hamsun erscheint dem Rezensenten als wundersamer König Lear - "gestürzt", aber nicht anfechtbar.
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