Aus dem Französischen von Karin Krieger. Mit einem Essay von Ludwig Harig und einem Nachwort von Yves Beigbeder. Die Originalausgabe von "Das Schweigen des Meeres" erschien 1942 als erster Titel des legendären Untergrundverlags Editions de Minuit, die Erzählung wurde zu einem maßgeblichen Werk der Resistance. Ein deutscher Offizier nimmt während der Besetzung in Frankreich bei einem alten Mann und seiner Nichte Quartier. Während der Deutsche allabendlich über die Zukunft der deutsch-französischen Freundschaft monologisiert, schweigen seine Quartiersgeber - wie das Meer. Sein Respekt diesem Schweigen gegenüber und seine späte Einsicht in den Zynismus der Politik Hitlers machen die Erzählung zu einem eindringlichen Dokument französischen Selbstbewusstseins unter der deutschen Okkupation.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.07.2000
Für Joseph Hanimann scheint der Reiz dieses Buchs, das bereits vor sechzig Jahren geschrieben wurde, gerade darin zu liegen, dass man aus den heutigen Perspektive das deutsch-französische Verhältnis selbstverständlich völlig anders betrachtet als es damals der Fall gewesen ist. So interessiert ihn vor allem die Selbstdarstellung eines deutschen Offiziers, der sich für die Musik Johann Sebastian Bachs begeistert, geradezu so, als ob dies ein Ausgleich für das "ungute deutsche Tier" darstellen könnte. Die Übersetzung Karin Kriegers lobt Hanimann zwar als "seriös", jedoch habe sie der früheren "nichts wesentliche Neues hinzuzufügen". Hanimann geht darüber hinaus auch auf Ludwig Harigs Begleitessay ein, an dem er kritisiert, dass der Autor dort leider selbst deutsch-französische Klischees eher bestärkt als auflöst. Harigs Versuch, den deutschen Offizier in Vercors Geschichte "aus dem verkrusteten Schema des `guten` gegen die `bösen` Deutschen zu befreien", hält der Rezensent offensichtlich für nicht geglückt.
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