Friedrich Sieburg (geb. 1893) galt in den 1930er Jahren als bester deutscher Frankreichkenner. Für die Frankfurter Zeitung, das führende liberale Blatt in der Weimarer Republik, berichtete er seit 1926 aus Paris. Sein Buch 'Gott in Frankreich?', das in beiden Ländern zum Bestseller wurde, löste eine Gewissenserforschung in unserem Nachbarland aus, weil es den Franzosen in zugleich bewundernder und schonungsloser Weise das Bild spiegelte, das diese selbstgewissen Sieger von 1918 in der Welt hinterließen. Sieburg wendete sich nach 1930 der Konservativen Revolution um Hans Zehrer zu und liebäugelte nach 1933 vorübergehend mit dem Nationalsozialismus, weil er von Hitler die endgültige Aussöhnung mit Frankreich erwartete. Als er seinen Irrtum bemerkte, war es zu spät.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.05.2014
Auch wenn er noch immer nicht ganz schlau wird aus Friedrich Sieburg, eine ganze Menge Aufklärung hat Lutz Hachmeister schon bekommen mit dieser Biografie von Klaus Deinet. Wie etwa die Verhältnisse waren bei der "FZ", für die Sieburg in Paris war, oder welche Animositäten zwischen Sieburg und MRR oder Sieburg und den Frauen eine Rolle spielten. Darüber hinaus bietet ihm die "bislang vollständigste" Biografie über Sieburg eine treffende Stilkritik des schillernden Publizisten sowie einen Abenteueroman, der Sieburg bis nach Algerien und auf einen russischen Eisbrecher ins Polarmeer folgt. Richtig sensationell findet Hachmeister die erstmalige Auswertung der Tagebücher Sieburgs, die zutage bringt, dass der nach außen hin starke Mann zu Hause unter dem Pantoffel stand, oder auch, wie er sich für Himmler begeistern konnte. Für eine weitere Auflage wünscht sich der Rezensent allerdings ein Personenverzeichnis und ein sorgfältiges Lektorat.
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