Blochs philosophische Analysen erhalten ihren besonderen Charme durch eine Mikrophänomenologie der alltäglichen, sozialen und geschichtlichen Lebenswelt. Sie offenbart den Menschen als ein in Geschichte verstricktes Wesen. Blochs "Feuilletonphilosophie" leistet dies in einer Vielfalt exemplarischer Geschichten. Die vorliegende Ausgabe versammelt erstmals sämtliche bekannten Beiträge, die von Bloch 1916 bis 1934 in der Frankfurter Zeitung veröffentlicht wurden, darunter auch sechs Neufunde.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.04.2008
Willi Winkler bespricht diese Sammlung mit feuilletonistischen Texten von Ernst Bloch nicht ohne Wehmut. Die 63 erstmals zusammengestellten Artikel bergen für ihn das 19. Jahrhundert durch die Brille Karl Mays, den Bloch einst vehement verteidigt hatte. Allerdings erkennt Winkler klar die große sprachliche Höhe, auf der Bloch das Kindliche, Abenteuerlustige und Märchenhafte aus seinen Alltagsbeobachtungen und Reisefeuilletons herauskitzelt, "als wär's ein Kleist'scher philosophischer Dialog". Dass heute so nicht mehr geschrieben wird, "synkopierend" und "orchestral", dann auch wieder mit "pfeifenbeißender Selbstironie", weiß Winkler genau. Aber auch, dass diese Texte keine "Mumien" sind.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2007
Trotz seiner eher abfälligen Meinung gegenüber Journalisten hat Ernst Bloch selbst über 60 Feuilletontexte für die "Frankfurter Zeitung" verfasst, sechs davon waren bisher unbekannt und liegen nun in einem klug kommentierten Band vor, teilt Ludger Lütkehaus mit. Ihn beeindruckt offenkundig, dass die Texte über Natur, Landschaften, Zeitgeschichtliches, Literatur, Film und manches mehr ihren Lesern Schwierigkeitsgrade der Lektüre zumuten, wie es heute keine Zeitung mehr wagen würde. Diese Feuilletons sind mehr als reine Gelegenheitsarbeiten zum Broterwerb, lobt der Rezensent, der durch den Band "spannungsreiche Zusammenhänge" dargelegt sieht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 04.05.2007
Auf dass der Leser die Verbindung von Utopie und verweilendem Erzählen im Werk Ernst Blochs erkenne, empfiehlt Rolf Wiggershaus diese Neuerscheinung der allerdings bekannten Blochschen Feuilletons für die Frankfurter Zeitung aus den Jahren 1928-1934. Allerdings zieht Wiggershaus die unveränderten Erstfassungen der Texte den hier versammelten, von Bloch überarbeiteten vor, weil die Nachbearbeitung sie einander ähnlicher, aber nicht unbedingt gehaltvoller mache, wie er erklärt. Doch für ihn bieten sie noch immer ausreichend "Anschauungsmaterial" für die Hochzeit des deutschen Feuilletons und dafür, wie "Zeitdiagnose mit geschichtsphilosophischem Anspruch" Nüchternheit auch in Krisenzeiten ermöglicht.
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