Jörg Magenau

Brüder unterm Sternenzelt

Friedrich Georg und Ernst Jünger: Eine Biografie
Cover: Brüder unterm Sternenzelt
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2012
ISBN 9783608938449
Gebunden, 315 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Das Leben zweier Brüder: Sie jagten Käfer am Steinhuder Meer, der eine rettete dem anderen das Leben auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs, gemeinsam schockierten sie das Bürgertum in den 20er-und 30er-Jahren, durchlebten die deutsche Katastrophe in der inneren Emigration und begründeten den ökologischen Konservatismus der Bundesrepublik. Ernst und Friedrich Georg Jünger waren Geistesverwandte und politische Bündnispartner, die gemeinsam an einem großen Werk arbeiteten. Die hier erzählte Geschichte dieser außerordentlichen Schriftsteller-Beziehung ist so vielfältig wie die Zeit, von der sie handelt: zwischen Familiengeschichte und Künstlerbiografie, deutscher Katastrophengeschichte und philosophischem Disput.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.05.2013

"Dieser kalte Ernst Jünger" und sein ihm nacheifernder jüngerer Bruder sind Gegenstand dieser Doppelbiografie, die den Literaturprofessor Steffen Martus sehr eingenommen hat - so sehr, dass er gegen sie nicht mal den zu erwartenden Professoreneinwand macht, denn Magenau, so Martus, verzichtet auf jeden akademischen Apparat, es gibt nicht mal ein Personenregister, und es scheint, dass Magenau manche Situationen, die in den Quellen nicht exakt überliefert sind, sogar ausmalt. Diese "Verdichtungen" aber hat Martus sogar besonders genossen. Und darüber hinaus referiert er wohlwollend, was Magenau so beschreibt: die kleinen Differnzen zwischen den Brüdern bei ihrer grundsätzlichen großen Einigung, ihr aggressives und pennälerhaftes Wüten gegen die Weimarer Republik, ihre Waffennarretei und ihre sorgsam kultiviertes Außenseitertum, mit dem sie auch die Medien geschickt bedienten. Ob die Biografie auch Antwort auf die Frage nach der heutigen literarischen Relevanz der beiden gibt, lässt der Rezensent offen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2013

Sichtlich erleichtert über das mit diesem Buch endgültig vom schlachtberauschten Duo infernale auf die bürgerliche Gärtnerexistenz runtergedimmte Bruderpaar Ernst und Friedrich Georg Jünger ist der Rezensent Stephan Schlak! Dass der Biograf Jörg Magenau es wagt, von den Brüdern nicht kritisch kalt, sondern einfühlsam, manchmal gar gefühlig, und familiär zu erzählen, scheint Schlak gut zu gefallen. Ebenso, wie Magenau einzelne Szenen isoliert, um nicht im Wust der Anekdoten und historischen Bezüge zu ersaufen, und wie er Friedrich Georg Jünger aus dem Schatten des Bruders befreit, indem er biografische Seitenwege beschreitet. Für Schlak ist das Buch ein Dokument der Abrüstung, ein Abrücken von den üblichen Thesenschlachten der Jünger-Biografie, hin zum Menschlichen und Komischen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.02.2013

Schrecklich verführerisch scheint Rezensent Kurt Kister die Jünger-Doppelbiografie von Jörg Magenau. Etwas Wissen, räumt er ein, sollte der Leser schon mitbringen, dann kann es losgehen mit der gut lesbaren Lebensgeschichte zweier schreibender Brüder, der eine Lyriker und im Schatten des anderen, der andere Erzähler - die Jüngers. Wie Magenau den Leser reinzieht, nämlich mit über Brief-, Tagebuch- und Schriftenlektüre frei interpretierender und assoziierender Jünger-Technik, gefällt Kister, aber bestimmt nicht jedem, denn eine quellenbasierte Biografie geht eigentlich anders. Für Kister jedoch hält Magenau genau die Balance zwischen Fesselungskunst und Imitation. Wenn ihm dabei sogar eine Belebung des Bruders im Schatten gelingt, freut das den Rezensenten umso mehr.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.01.2013

Die Schlachten um Ernst Jünger sind geschlagen, weiß Rezensent Harry Nutt, und so weiß er Jörg Magenaus zurückhaltende Biografie der beiden Brüder Ernst und Friedrich Georg Jünger zu schätzen, die sich jedes anklagenden oder entlarvenden Gestus' enthält. Stattdessen erlebt Nutt hier zwei elitäre Brüder, die beständig das "Abenteuer der Existenz" zur Aufführung brachten, ohne auf die Annehmlichkeiten des elitären Lebens verzichten zu wollen und deren antibürgerliche Selbstinszenierung damit durchaus auch etwas Komisches hat. Interessant findet er vor allem, dass Magenau den jüngeren Bruder Friedrich Georg zurück in die Literaturgeschichte holt, ohne allerdings zu beurteilen, wie verdient diese Ehre ist. Hierzu sagt er nur, dass dessen kritische Techniktheorie die Ökobewegung mit ihren faschistischen Wurzelsträngen konfrontiert hätte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.12.2012

Faszinierend findet Michael Braun Jörg Magenaus "kühne" Jünger-Doppelbiografie. Nicht nur die Ego-Strategien der konservativen Intelligenz in Zeiten des Krieges vermag das Buch ihm darzulegen. Magenaus Ansatz, die Brüder Friedrich Georg und Ernst Jünger und ihrer beider Werke zueinander ins Verhältnis zu setzen, führt Braun gar zu einer Neubewertung der beiden Schriftsteller. Für Braun rührt das nicht zuletzt daher, dass Magenau die beiden als Autoren gleichrangig behandelt und also den im Schatten stehenden Bruder Ernst Jüngers rehabilitiert. Innige Bruderschaft kann Magenau dem Rezensenten ebenso vermitteln wie das asymmetrische Verhältnis zwischen dem glorreichen Krieger und dem Kriegsinvaliden.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.10.2012

Stephan Wackwitz nutzt Jörg Magenaus Doppelbiografie der Brüder Ernst und Georg Jünger für einen Essay über die männliche Fantasie und die Todesverachtung. Ausgehend von den "längeren Gedankenspielen", die Arno Schmidt einst begabten, aber einsamen Kinder zusprach, kommt Wackwitz auf die Welt aus Krieg, Drogen, Männerfreundschaft und Insekten, die das Reich der Brüder Jünger bildete und in der das Meer nicht Wasser war, sondern etwas Kosmisches. "Heißer Stoff" also, meint Wackwitz, und da er im 20. Jahrhundert in eine mörderische Politik umgewandelt wurde, ist er politisch so unannehmbar, literarisch aber so grandios. Ob Wackwitzs Überlegungen auf Magenaus Biografie fußen, lässt sich schwer sagen, er lobt das Buch aber als verdienstvoll und schön geschrieben.