Klaus Ahlheim beschreibt am Beispiel des emeritierten Marburger Sozialethikers Dietrich von Oppen den Beginn einer Wissenschaftskarriere im NS-Staat und ihre erfolgreiche Fortsetzung nach 1945. Er zeigt, wie eine konsequent betriebene politische Mimikry und Schönung der eigenen Vita den sach- und wahrheitsgerechten Blick auf die Zeit vor 1945 bis heute verstellt. Und er macht deutlich, daß eine Kultur des Nicht-Wahrnehmens und Nicht-Wahrhaben-Wollens die Diskussion um die Rolle der Universität im Nationalsozialismus noch immer erschwert.
Brisant ist der Fall des Marburger Theologen und Sozialethikers Dietrich von Oppen allemal, der nach dem Krieg Hochschulkarriere machte und sich und seine Umgebung geschickt über seine nationalsozialistische Vergangenheit belog. Was die Fallstudie von Klaus Ahlheim jedoch so spannend und interessant macht, schreibt Wolfgang Rieland in seiner ausführlichen und lesenswerten Besprechung, ist die Zuspitzung der Frage, inwiefern sich von Oppens Opportunismus und seine Verdrängungsstrategie, von der man nicht weiß, ob er nur den anderen oder auch sich selbst etwas vormachen wollte, auf sein analytisches Denken und Schreiben ausgewirkt hat. Ahlheim komme zu dem Schluss, berichtet Rieland, Opportunismus als "professorale Schlüsselqualifikation" sei ein Phänomen, das weiter verbreitet ist, als gemeinhin angenommen. Der Rezensent verweist im übrigen auf die "lesenwerte Studie" von Claus Leggewie zu dem ähnlich gelagerten Fall des Germanisten Schwerte alias Schneider: "Von Schneider zu Schwerte. Das ungewöhnliche Leben eines Mannes, der aus der Geschichte lernen wollte", Carl Hanser Verlag 1998, 368 Seiten, 45 DM.
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