Mit 164 s/w-Abbildungen. Grundlegende Studie zur lange von der Kunstgeschichte vernachlässigten Funktion von Wappen als politischem Bedeutungsträger im Heiligen Römischen Reich. Am Beispiel von Ahnentafel und Stammbaum wird die Bedeutung von Wappen und genealogischem Denken und die Auswirkung auf die dynastische Kunst zwischen 1450 und 1650 untersucht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.2003
Der Name des Autors lädt offenbar zu einem kleinen Wortspiel ein, denn Rezensent Milos Vec freut sich über das "kecke" Buch von Kilian Heck, das er an anderer Stelle auch als "schlank" und "erfrischend" bezeichnet. Heck nimmt sich eines Feldes an, nämlich der Genealogie, das zwar in Internetzeiten einen neuen Konjunkturschub erhielt, wie Vec wohl persönlich eruiert hat, aber im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit eine viel prachtvollere Blüte erleben konnte. Heck nähere sich der Genealogie als Kunsthistoriker, aber keinesfalls klassisch, sondern mit einem von der Zeichentheorie beeinflussten Theoriemix, so dass einem herkömmlichen Genealogen bei Hecks Analyse von Wappen oder Grabsteinen die Ohren schlackern müssten, vermutet Vec. Die Hauptthese Hecks sei der Funktionswandel genealogischer Zeichen in Verknüpfung mit dem frühneuzeitlichen Raumbildungsprozess. Anders formuliert: Macht definierte sich irgendwann nicht mehr über Personenverbände und Familienwappen, sondern über die Absteckung von Landesgrenzen. Hecks Ausführungen mangelt es nicht an provokativen Thesen, schreibt Vec, wohl aber stellenweise an empirischen Belegen und argumentativer Schärfe. Eine ebenso fremde wie faszinierende Materie ist die Genealogie, schließt Vec und wünscht sich eine Wissenschaftsgeschichte dieser Zunft.
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