Die Fotografie hat seit ihrer Emanzipation von der Malerei intensiv die Kunstfiguren der Marionetten und Automaten, Manichine und Schaufensterpuppen thematisiert. Durch ihre "mechanisch-automatische" Struktur trifft die Kunst der Lichtbilder als kongeniales Medium auf die Ikonografie der Androiden, die vorwiegend weiblich sind -- ihre Fotografen dagegen sind meist männlich. Katharina Sykora untersucht in ihrem Buch die komplexe Verflechtung von Medium und Gegenstand, Darstellung und Wahrnehmung, tot und lebendig, künstlich und natürlich. Sie setzt sich mit fototheoretischen, psychoanalytischen und feministischen Positionen auseinander.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.02.2000
Beate Söntgen bespricht das Buch zusammen mit "Die Puppe. Ein Projektionsmodell" von Christina Lammers.
1) Katharina Sykora: "Unheimlich Paarungen"
Unheimliche Paarungen - das ist hier die Verbindung von Fotograf und Puppe. Sykora gehe es nicht um das Konstrukt, sondern um die im Zeichen der Kunst inszenierte Puppe. Damit stelle sie den Fotografen - als Symbol für männliche Urheberschaft - zur Disposition. Sykoras Buch ist "spannend wie ein Krimi" und gründlich recherchiert, lobt Söntgen.
2) Christina Lammers: "Die Puppe"
Lammers deutet unser Bild vom Körper mit Hilfe des wissenschaftlichen und künstlerischen Blicks auf die Puppe, faßt Beate Söntgen das Buch zusammen. So habe erst das Sezieren menschlicher Leichen in der Renaissance die notwendigen Kenntnisse zur Herstellung täuschend ähnlicher Kunstwesen erbracht. Hinter Lammers "leidenschaftlich engagierter Studie" liegt die Sorge, dass der Mensch sich nur mit der Verletzung - Piercing, Tattoo - "real erfahren" kann, meint Söntgen.
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