"Schmach über jeden Deutschen, der seine heilige Muttersprache schändet!" So wetterte Otto Sarrazin 1914 gegen alle, die es wagten, aus Fremdsprachen übernommene Lehnwörter zu verwenden. Er war der Vorsitzende des Allgemeinen deutschen Sprachvereins, der zwischen 1886 und 1943 versuchte, die deutsche Sprache von fremden Einflüssen reinzuwaschen. Unter viel Applaus fochten seine Mitglieder darum, Worte wie "Sauce" oder "Dame" aus dem Wortschatz zu entfernen. Dabei verband sich dieser Kampf mit einem Chauvinismus, der geradewegs in Fremdenhass mündete, den Kriegsausbruch als Chance auf Deutsch als Weltsprache begrüßte und schließlich den Rassismus der Nazis aufnahm. Der Germanist Karl-Heinz Göttert hat die so erfolglose wie unheilvolle Geschichte dieses dogmatischen Intellektuellenzirkels umfassend recherchiert. Sein Buch zeigt, wie vernunftbegabte Bildungsbürger auf nationalistische Abwege geraten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 07.01.2020
Rezensent Philipp Schnee liest Karl-Heinz Götterts Studie über den "Allgemeinen Deutschen Sprachverein" nicht ohne Belustigung. Wenn ihm der Germanist erzählt, wie jene "Sprachreiniger" das "Telegramm" zum "Drahtgruß", die "Zigarre" zur "Rauchrolle" oder das "Giro" zum "Umbuchungsverband" umformulieren wollten, erscheinen dem Kritiker Götterts Beispiele mitunter wie "Realsatire". Den völkischen Nationalismus und den biologistisch begründeten Rassismus des Vereins, der sich ab 1933 als "SA unserer Muttersprache" nannte, kann der Autor dem Kritiker ebenfalls belegreich vermitteln. Nicht zuletzt erkennt er mit Blick auf die heutigen rechten Kommentare im Netz die Aktualität des Bandes.
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