Elias Canetti

Die gerettete Zunge -

Geschichte einer Jugend. Zürcher Ausgabe. Band 5
Cover: Die gerettete Zunge -
Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN 9783446284258
Gebunden, 544 Seiten, 46,00 EUR

Klappentext

Der Kosmopolit Elias Canetti erzählt von seiner Kindheit zwischen 1905 und 1921: Am Unterlauf der Donau in eine Familie spaniolischer Juden geboren, wächst er in bildungsbürgerlichen Verhältnissen auf; nach der Emigration der jungen Familie wird er in Manchester eingeschult. Als der Vater mit 31 völlig überraschend stirbt, zieht die Mutter mit dem Neunjährigen und seinen beiden kleinen Brüdern nach Wien, später nach Zürich, wo Elias sich so heimisch fühlt wie nirgends zuvor. Ein neuerlicher Umzug nach Frankfurt ist für ihn die Vertreibung aus dem Paradies. 

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2025

Rezensent Paul Jandl freut sich darüber, anlässlich der neuen Zürcher Werkausgabe der Schriften des Autors den ersten Teil der autobiographischen Trilogie Elias Canettis noch einmal zu lesen. Jandl erwähnt zwar den umfangreichen Anmerkungsapparat, der aus Tagebuchnotizen, anderen Aufzeichnungen Canettis sowie Kommentaren der Herausgeber besteht, konzentriert sich in seiner Besprechung ansonsten jedoch ganz auf den Haupttext. So zeichnet er nach, wie Canettis Erinnerungsbuch durchsetzt ist von Sprachreflexion - auch hinsichtlich des mehrsprachigen Umfelds, in dem Canetti aufwächst - und außerdem der Mutter des Autors eine wichtige Rolle einräumt. Gleichzeitig ist das offensichtlich das Buch eines großen Ich, im Vergleich zu welchem die Welt gelegentlich zusammenschrumpft, findet Jandl Insgesamt nach wie vor ein beeindruckendes Buch, so der Tenor der Besprechung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.08.2025

Rezensent Martin Oehlen liest sich im Großen und Ganzen begeistert durch die ersten beiden veröffentlichten Bände - tatsächlich tragen sie die Seriennummern 4 und 5 - der nun erscheinenden kritischen Elias-Canetti-Gesamtausgabe. Die Rezension konzentriert sich auf "Die gerettete Zunge", den zurecht gefeierten Erinnerungsband, der sich intensiv mit dem Aufwachsen des Autors in einer jüdischen Familie beschäftigt und unter anderem die wichtige Rolle thematisiert, die Sprache und Schrift schon früh für Canetti einnehmen. Die Anhänge überzeugen Oehlen vor allem da, wo Passagen abgedruckt sind, die in der Originalfassung nicht enthalten sind, lediglich die Praxis, Zitate lediglich durch eine veränderte Satztype zu kennzeichnen, stört den Rezensenten. Auf den zweiten Band "Der Ohrenzeuge", geht Oehlen nur kurz ein, aber auch die 50 kurzen Charakterstudien, die Canetti hier vorlegt, gefallen ihm offensichtlich immer noch gut.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2025

Rezensent Andreas Platthaus freut sich darüber, dass Elias Canetti nun eine neue Werkausgabe erhält, deren Publikation unter anderem mit dem hier besprochenen Band einsetzt, dem ersten Band einer Erinnerungstrilogie des Autors. Auf den Hauptteil des Buches geht Platthaus nicht ein, vielmehr schreibt er über die Zusätze, die die Neuedition enthält und die hauptsächlich den Tagebüchern Canettis entstammen, die lange für eine Publikation gesperrt waren - vierzig Prozent Textumfang gewinnt das Buch dadurch. Unter den Zusätzen hebt Platthaus insbesondere die Publikation einer im Original gekürzten Passage des Schlusskapitels hervor, die ein Gespräch Canettis mit seiner Mutter behandelt, das dem Rezensenten eine neue Perspektive auf eine Schlüsselstelle im Gesamtwerk des Autors eröffnet. Auch die Art und Weise, wie der Mitherausgeber Sven Hanuschek Canettis Nachlass kontextualisiert, gefällt Platthaus ausgesprochen gut. Nur, dass die Veröffentlichung keine Auskunft darüber erteilt, wie genau die Auswahl aus dem Tagebuchkonvolut zustande kam, ist für Platthaus Anlass für Kritik. Ansonsten ist das Buch ein Fest für Canetti-Interessierte, so könnte man die Besprechung zusammenfassen.

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